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Merken   Drucken   12.08.2007, 16:29 Schriftgröße: AAA

Kolumne: Andreas Theyssen: Rettet den Nordpol  

Die Arktis darf nicht Anlass für einen neuen Rüstungswettlauf zwischen dem Westen und Russland werden. Der Nordpol interessiert Sie nicht? Das ist verständlich. von Andreas Theyssen
In der Arktis gibt es nur Eis und Schnee und frostigen Wind, dazu ein paar Eisbären. Und trotz Erderwärmung ist die lebensfeindliche Einöde auf absehbare Zeit kein Platz, an dem man seinen Urlaub verbringen möchte.
Immer noch kein Interesse am Nordpol? Sollten Sie aber haben - weil Wladimir Putin, George W. Bush, Kanadas Premier Stephen Harper und dessen dänischer Kollege Anders Fogh Rasmussen sich gerade besonders intensiv um diesen geografischen Punkt auf dem Eis bemühen. Und das ist ein überaus interessanter, sogar weltbewegender Vorgang.
Die Russen haben U-Boote geschickt, um unter dem Eis auf dem Meeresgrund eine Flagge aus Titan zu installieren. Der Kanadier begab sich demonstrativ auf eine dreitägige "Arktis-Souveränitätstour" ins ewige Eis. Die Dänen haben 500 Mio. Euro in ein Arktisforschungsprojekt investiert. Und die Amerikaner schickten Ende letzter Woche ebenfalls eine Expedition ins ewige Eis. Allesamt agieren nach der Devise: Drei, zwei, eins - meins. Und "meins", das soll der Nordpol sein. Zum Beispiel, weil in der Region große Erdölvorkommen vermutet werden.
Von der Öffentlichkeit eher belächelt als ernst genommen, rangeln gerade vier Länder um das so ziemlich letzte Stückchen Erde, das in den Atlanten noch keiner Nation zugeteilt ist. In der Eisregion droht damit ein Kalter Krieg, der viel schneller heiß werden könnte, als sich die Belächler das heute vorstellen können.
Soldaten im Eis
Die Grundlage dafür hat vorgestern der Kanadier Stephen Harper gelegt. Er will hoch im Norden seines Landes ein militärisches Trainingszentrum aufbauen und die Zahl der dort stationierten Soldaten um ein Fünftel aufstocken.
Angesichts der neuen Großmachtgelüste in Moskau lässt sich leicht ausmalen, wie der russische Präsident Putin reagieren wird. Auch er, der enorme territoriale Ansprüche in der Nordregion geltend macht, wird Soldaten ins Eis schicken. Diese Reaktion wiederum wird Besorgnis in Washington auslösen, weshalb das US-Verteidigungsministerium ebenfalls Truppen entsenden dürfte. Angesichts dieses Aufmarschs könnte schließlich auch das EU-Land Dänemark auf die Idee kommen, sich militärisch zu engagieren. Damit dürfte der Nordpol überaus rasch zum Thema in Brüssel und Berlin werden. Und zwar als Albtraumthema.

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