FTD.de » Meinung » Kolumnen » Andreas Theyssen: Uns kann keiner

Merken   Drucken   01.06.2008, 15:42 Schriftgröße: AAA

Kolumne: Andreas Theyssen: Uns kann keiner  

Erst VW, dann Siemens, nun Telekom: Es läuft etwas schief in deutschen Chefetagen. Die Fälle zeigen, dass sich Teile der Wirtschaftselite vom Rest der Gesellschaft abgekoppelt haben von Andreas Theyssen
Vor anderthalb Jahren wollte der russische Telekomkonzern Sistema bei der Deutschen Telekom einsteigen. Ach Gottchen, was waren sie naiv, diese Russen. Denn das ging natürlich nicht und rief sogar die Bundesregierung auf den Plan. Die Russen im hochsensiblen deutschen Fernmeldebereich - da hätte man ja gleich den KGB-Nachfolger FSB an die Klappenschränke lassen können, hieß es in Berlin. Sistema kam nicht zum Zug.
Heute wissen wir, dass wir für derlei Schnüffeleien gar nicht die Russen brauchen. Das kann auch die Telekom selbst, wie die sehr professionelle Bespitzelung von Aufsichtsratsmitgliedern, Gewerkschaftern und Journalisten durch den Bonner Konzern zeigt.
Dass die Telekom technisch so etwas kann, ist wenig überraschend. Frappierend ist, dass sie so etwas - offenbar vorbei an Recht und Gesetz, wie die Staatsanwaltschaft argwöhnt - auch gemacht hat. Und noch verblüffender ist, dass dies alles offenbar auf Anregung der Konzernführung geschah.
Nun gibt es derzeit keinerlei Anlass zu der Vermutung, dass ein damaliger Vorstand, Vorstandschef oder Aufsichtsratschef gesagt hat: Beschattet mir mal den Journalisten A oder den Gewerkschafter B. Bemerkenswert ist aber, dass auf den tieferen Konzernebenen niemand ein allzu großes Problem damit hatte, mit überaus krimineller Energie Leuten nachzustellen - und dass ganz oben offenbar niemand wissen wollte, wie denn die Rechercheergebnisse zustande gekommen sind.
Es läuft etwas schief in den Chefetagen
Wir haben ein Leck, aus dem Interna nach draußen fließen, stopfen Sie es - mehr dürften der Aufsichtsrats- oder Vorstandschef nicht gesagt haben. Aber offenbar hat die Telekom-Spitze zumindest in der Ära Klaus Zumwinkel/Kai-Uwe Ricke für solch ein Konzernklima gesorgt, dass den Untergebenen klar war: Das Problem muss um jeden Preis gelöst werden, mit allen Mitteln, zur Not sogar mit illegalen. Die Konzernchefs mussten sich die Finger nicht selbst schmutzig machen, mussten keine Details kennen, dafür hatten sie ihre Leute. Leute, die von ihnen abhängig waren. Und der Fall Telekom hat dafür gesorgt, dass im Moment Whistleblower bei Medien hausieren gehen mit der Botschaft: Das ist nur die Spitze des Eisbergs; viele deutsche Konzerne spionieren ihren Kritikern in ähnlicher Weise nach.
  • Aus der FTD vom 02.06.2008
    © 2008 Financial Times Deutschland,
Jetzt bewerten
Bookmarken   Drucken   Senden   Leserbrief schreiben   Fehler melden  
  24.06.2009 Pressestimmen "Beim Thema Afghanistan Tacheles reden"  
Pressestimmen: "Beim Thema Afghanistan Tacheles reden"

Der Tod dreier Soldaten im Kundus gibt Anlass zu neuen Diskussionen über den Bundeswehreinsatz in Afghanistan. Verteidigungsmininister Jung will nicht von Krieg sprechen. Die Kommentatoren der deutschen Tageszeitungen fordern klare Stellungnahmen der Politik. mehr

FTD-Debatte

zur FTD-Debatte

 



Die FTD-Personendatenbank
 


  10.02. Angelina Jolie trifft Guido Westerwelle
Politik: Angelina Jolie trifft Guido Westerwelle (00:00:56)

Bei dem Treffen im Auswärtigen Amt ging es um die Situation der Flüchtlinge. mehr

Mehr zu: Angelina Jolie, Bosnien, Niebel

 
© 1999 - 2012 Financial Times Deutschland
Aktuelle Nachrichten über Wirtschaft, Politik, Finanzen und Börsen

Börsen- und Finanzmarktdaten:
Bereitstellung der Kurs- und Marktinformationen erfolgt durch die Interactive Data Managed Solutions AG. Es wird keine Haftung für die Richtigkeit der Angaben übernommen!

Über FTD.de | Impressum | Datenschutz | Disclaimer | Mediadaten | E-Mail an FTD | Sitemap | Hilfe | Archiv
Mit ICRA gekennzeichnet

VW | Siemens | Apple | Gold | MBA | Business English | IQ-Test | Gehaltsrechner | Festgeld-Vergleich | Erbschaftssteuer
G+J Glossar
Partner-Angebote