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Merken   Drucken   31.08.2008, 20:30 Schriftgröße: AAA

Kolumne: Andreas Theyssen: Vergesst Russland!  

Premier Wladimir Putin vernichtet mit seinen Manövern im Kaukasus den Investitionsstandort Russland. Immer mehr Investoren dämmert, dass das Regime Putin nicht nur in Georgien trickst. von Andreas Theyssen
Am vergangenen Mittwoch stand die Welt kurz vor einer Katastrophe. Washington hatte angekündigt, das Küstenwachschiff "Dallas", das schon im Vietnamkrieg im Kampfeinsatz war, mit humanitären Gütern in den georgischen Hafen Poti zu entsenden. Poti wird immer noch von russischen Truppen kontrolliert - ein eindeutiger Verstoß gegen den Sechs-Punkte-Plan, der den Waffenstillstand zwischen Georgien und Russland regelt.
Ein Szenario wie am 27. Oktober 1961 drohte, als sich am Berliner Checkpoint Charlie russische und amerikanische Panzer gegenüberstanden. Hätte in Poti auch nur ein Gefreiter, sei es ein amerikanischer, sei es ein russischer, die Nerven verloren, die Welt hätte in Flammen gestanden. Der Showdown blieb aus, weil Washington Umsicht bewies - was in den letzten Jahren nicht allzu oft passierte - und die "Dallas" dann doch zurückbeorderte.
Es ist ein brandgefährliches Spiel, das Russlands Ministerpräsident Wladimir Putin im Kaukasus spielt. Ein Spiel mit Ansage: Nach der Anerkennung des Kosovo hatte er unverhohlen erklärt, dass es nun zu einer Welle von Unabhängigkeitserklärungen im Kaukasus kommen werde (Tschetschenien, wo sich Russland herausnimmt, was es Georgien verweigert, war damit definitiv nicht gemeint). Monatelang hatte Putin Tiflis mit Luftraumverletzungen, Militärmanövern und Desinformationskampagnen provoziert, bis ihm der verhasste georgische Präsident Michail Saakaschwili in die Falle tappte und versuchte, die Südossetienfrage militärisch zu lösen. "Der Fall Georgien trägt eindeutig das Design Putins", sagt ein EU-Regierungschef. Womit nebenbei die Frage beantwortet ist, ob in Moskau Präsident Dmitri Medwedew oder Putin das Sagen hat.

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