Wer an der Börse auf den Obama-Faktor spekuliert hat, ist bislang bitter enttäuscht worden. Vor dem Wahltag am 4. November vergangenen Jahres legten die Aktienmärkte zwar eine kleine Rally hin. Danach ging es jedoch fast nur noch abwärts.
Die US-Leitindizes und mit ihnen viele andere Börsen weltweit haben seit Anfang November gut ein Viertel verloren. Allein seit dem 20. Januar, dem Tag der Amtseinführung des neuen Präsidenten, sind die Kursbarometer an der Wall Street und in Europa um rund 15 Prozent gefallen.
Der
S&P 500 , der Anfang November noch einmal über die Marke von 1000 Punkten sprang, lag am Freitag bei 683. Der Dax stand vor vier Monaten noch bei über 5000. Jetzt sind es weniger als 3700. Tendenz: weiter fallend.
Obama reagiert auf den großen Katzenjammer an der Wall Street bisher nur mit Achselzucken. Wo ist auch das Problem? Börsen sind launisch, und ein Regierungschef ist ja nicht den Aktionären der Welt verantwortlich, sondern allein seinen Bürgern. Die stehen nach aktuellen Umfragen weiterhin zu fast 60 Prozent hinter
Barack Obama .
Das Problem ist Folgendes: Die Entwicklung der Märkte wird über kurz oder lang auch höchst relevant für den Erfolg der Politik Obamas sein. Und die Urteile der Börsianer sind zwar nicht unfehlbar - aber dafür umso unbestechlicher. Dass die gigantischen Aktionsprogramme, die von der neuen Regierung in Washington aufgelegt werden, bislang so wenig Optimismus bei Investoren entfachen, ist deshalb mehr als nur ein Schönheitsfehler.
Das schwierige Erbe
Natürlich wäre es komplett absurd, allein Obama für das Kursdesaster der vergangenen Monate verantwortlich zu machen. Der Mann hat ein Land übernommen, dessen Wirtschaft sich schon zuvor auf rasanter Talfahrt befand. Und dessen Finanzsystem in einer existenziellen Krise steckt, deren verschiedene Ursprünge mindestens ein halbes bis ein ganzes Jahrzehnt zurückreichen.
Gut möglich, dass der Crash unter einem republikanischen Präsidenten John McCain noch viel drastischer ausgefallen wäre.
Gut möglich auch, dass manche Erwartungen zu hoch waren. Dass die Kurse jetzt fallen, läge insoweit gar nicht daran, dass Obama Fehler macht. Sondern nur daran, dass die Investoren endlich Realitäten erkennen, die sie zuvor im Rausch der Hoffnung verdrängt hatten.
Der neue Präsident hat im Übrigen zwar vielen vieles versprochen - aber niemandem steigende Aktienkurse.
Trotzdem kann Barack Obama der Absturz der Börse nicht egal sein. Dazu sind schon die realwirtschaftlichen Folgen einer anhaltenden Baisse viel zu gefährlich. Und dazu ist der Einfluss seiner Politik auf den Markt zu groß.