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Merken   Drucken   11.09.2006, 18:28 Schriftgröße: AAA

Kolumne: Der nächste Aufschrei  

Warum der absehbare Wahlerfolg der NPD am Sonntag völlig normal ist - und dennoch Besorgnis erregend. von Andreas Theyssen
Spätestens am nächsten Montag schaut die Welt wieder auf Deutschland. Dann werden die Fernsehteams der großen US-Networks in beschauliche Dörfer einfallen und verschreckte Einwohner hochnotpeinlichen Befragungen unterziehen. Die Leitartikler von Russland bis Israel werden viele Zeilen verwenden auf die Beantwortung der Frage: Ist es schon wieder so weit? Und dass mindestens einer der Kaczynski-Zwillinge in Warschau etwas über den gefährlichen Geist des Gestrigen im Nachbarland von sich geben wird, ist ausgemacht.
Die Welt schaut mal wieder auf Deutschland
Dass die Welt mal wieder auf Deutschland schaut, wird die Republik dem Bundesland Mecklenburg-Vorpommern zu verdanken haben. Denn dort dürfte nach der Landtagswahl am Sonntag die rechtsextreme NPD ins Parlament von Schwerin einziehen. Drei Umfragen aus den letzten zwei Wochen sagen den Sprung der Ultrarechten über die Fünf-Prozent-Hürde voraus. Die jüngste sieht die braune Truppe bei sieben Prozent. Die NPD könnte sogar ein noch besseres Ergebnis erzielen, denn erfahrungsgemäß geben Wähler der Rechtsextremisten bei Wählerbefragungen eher ungern zu erkennen, wo sie ihr Kreuz zu machen gedenken.
Was folgen wird, ist absehbar. Voreilige Politiker - hallo, Peter Struck - werden wieder ein Verbot der braunen Partei fordern (was NPD-Sympathisanten als Beleg dafür dienen dürfte, dass Demokraten schlechte Verlierer sind). Der Rest der Republik und der Welt wird erneut aufschreien und laut fragen, wie schlimm es denn um Deutschland bestellt ist.
Folge der großen Koalition
Antwort A: Nicht schlimm, denn der Einzug der NPD in den Schweriner Landtag ist eine ganz normale Entwicklung.
Mecklenburg-Vorpommern wird von einer rot-roten Koalition regiert, allein dies stärkt den rechten Rand. Hinzu kommt, dass die Landes-CDU mit dem Landrat Jürgen Seidel nicht unbedingt über einen Stadienfüller als Spitzenkandidaten verfügt. Maßgeblichen Einfluss hat auch Angela Merkels große Koalition. Das kleinteilige Hickhack bei den großen Reformprojekten, das zunehmende Auf-die-lange-Bank-Schieben, all dies taugt nicht gerade dazu, dass die Wähler Juhu schreien, wenn sie auf dem Wahlzettel die Kürzel CDU und SPD entdecken.

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