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Merken   Drucken   22.11.2006, 18:04 Schriftgröße: AAA

Kolumne: Die Achse der neuen Freunde  

Die Hoffnung auf eine Befriedung des Irak durch Mitwirkung regionaler Mächte wird sich kaum erfüllen. von Thomas Klau
Die Anarchie im Irak hat einen Punkt erreicht, wo selbst Henry Kissinger sagt, dass "Sieg" nicht mehr das Ziel amerikanischen Handelns sein kann.
"Sieg über die Aufständischen ist die einzige sinnvolle Rückzugsstrategie", hatte der auf Durchhalten getrimmte Doyen der US-Außenpolitik noch im August 2005 geschrieben. Am Widerspruch zwischen Kissinger damals und Kissinger heute lässt sich ermessen, wie weit der Zusammenbruch des irakischen Staates fortgeschritten ist. Den Vereinigten Staaten droht am Persischen Golf ein strategisches Debakel. Im schlimmsten Fall wird es das größte ihrer Außenpolitik. In Washington hat sich - Jahre zu spät - Realitätsbewusstsein zwar insoweit durchgesetzt, als niemand mehr behauptet, es könne so weitergehen wie bisher. Doch realistisch ist die Diskussion trotz der Erkenntnis des eigenen Scheiterns noch immer nicht.
Strategie ohne Substanz
So kursiert in den Chefetagen des Pentagon der Gedanke, die Regierung in Bagdad zu stärken, indem die irakischen Streitkräfte schneller aufgebaut werden. Dazu sollen vermehrt US-Militärberater eingesetzt werden, um Know-how zu vermitteln und die Einsatzmoral zu verbessern. Doch in der öffentlichen Debatte wird weitgehend übergangen, dass der Aufbau der Sicherheitskräfte schon seit Längerem als wichtige Priorität eingestuft wurde - nur führten die bisherigen Bemühungen nicht zum gewünschten Erfolg. Der benötigte Aufbau würde, wie auch Pentagon-Planer einräumen, Jahre in Anspruch nehmen, während im Land weiter das blutige Chaos tobt. Und zumindest die jetzige Regierung in Bagdad ist bis jetzt offenbar weder gewillt noch fähig, die Streitkräfte in größerem Stil zum Kampf gegen die Milizen einzusetzen.
Realitätsflucht bei den Militärstrategen; Realitätsflucht auch in der Politik. In Washington warteten die Auguren bereits seit Wochen, ob Präsident George W. Bush sich bereit finden könnte, Gespräche ohne Vorbedingungen mit dem Iran und Syrien zu akzeptieren, um beide Mächte für eine Mitwirkung bei der Befriedung des Irak zu gewinnen. Der Mord am libanesischen Industrieminister Pierre Gemayel dürfte Bush in seiner Überzeugung bestärkt haben, dass das einem Einknicken vor den Paten des Terrors gleichkommt. Der Präsident, hört man in Washington, hatte schon vor dem Anschlag unwillig auf Versuche reagiert, ihm eine strategische Wende zu empfehlen, um mit Syrien und dem Iran ins Geschäft zu kommen.

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