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Merken   Drucken   18.06.2009, 20:40 Schriftgröße: AAA

Kolumne: Fricke - Volkswirte im Dschungelcamp  

Deutschlands Ökonomen leisten sich mitten in der Krise eine bizarre Schlammschlacht darüber, dass die jeweils anderen falsche Methoden nutzen. Das Schlimme ist, dass beide damit recht haben. Zeit für Neues. von Thomas Fricke
Wenn Ökonomen streiten, klingt das normalerweise nicht sonderlich aufregend. Da geht es um bedingt belastbare Annahmen oder ungenügend stringente Schlüsse. Umso atemberaubender ist, was deutsche Wirtschaftsprofessoren gerade vorführen. Was die Kollegen bringen, sei "von begrenztem Nutzen", schimpfen altgediente Gralshüter der Ordnungspolitik. Da werde Zeit mit der "Zurschaustellung logischer Virtuosität" verplempert. Huch. Worauf die begrenzt Nützlichen kontern, sie seien "modern" und die anderen international "nicht wichtig". Die schmorten im eigenen Saft und verbreiteten "Binsenweisheiten". Wie im Dschungelcamp.
Das klingt lustig. Schlimm ist, dass der Streit merkwürdig an der globalen Wirtschaftskrise 2009 vorbeigeht. Und dass beide Seiten womöglich recht haben, wenn sie der jeweils anderen ihren Zweck absprechen. Das Problem ist ja nicht, dass sich Tante Erna über den Grad mathematischer Formeln in ökonometrischen Modellen sorgt - oder darüber, ob deutsche Ordnungshüter international wichtig sind. Sondern dass Ökonomen in der aktuellen Krise ziemlich ratlos wirken und viel Unsinn reden.
Wirre Empfehlungen in der Krise
International stößt es in der Tat auf Verwunderung, wenn traditionsbewusste deutsche Professoren ihre Aufgabe vor allem darin sehen, ordnungspolitische Grundsätze zu rezitieren. Oder eigene Annahmen als richtig zu deklarieren. Wer postuliert, dass sinkende Steuern gut sind, kommt halt zu dem Schluss, dass es nicht gut ist, wenn Steuern nicht sinken. Wie viel Wachstum das bringt (und ob anderes mehr brächte), braucht man da nicht prüfen. Praktisch. Wenn das so viel helfen würde, wäre Deutschland nicht eines der Länder, die nach Ordokriterien offenbar am schlimmsten sind.
Bezweifeln lässt sich allerdings auch, dass die "modernen" Ökonomen der Welt sehr viel mehr helfen. Da wird viel Zeit mit dem Versuch verbracht, menschliches Verhalten in mathematische Modelle zu stecken - was am Ende oft erschreckend banale Ergebnisse bringt. Was hilft es in der Krisenpraxis, wenn der zunftintern gepriesene Modern-Ökonom Harald Uhlig komplizierte Rechnungen anstellt, ob Fed und Euro-Zentralbank wirklich so unterschiedlich Zinsen setzen - wenn der große Ökonom am Ende einräumt, dass die Ergebnisse doch stark davon abhängen, welches Modell man wählt; und dass das ohnehin nicht sagt, wer die bessere Politik gemacht hat. Ach so. Setzen.

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