Was ist das? Ein Wagen biegt in einen Kreisverkehr ein, plötzlich kracht ihm ein anderes Fahrzeug in den linken Kotflügel. Richtig, dies nennt man Verkehrsunfall.
Was ist das? Bei einem Flugzeug fallen unterwegs plötzlich alle Triebwerke aus. Die Maschine stürzt ab, zerschellt an einem Berg. Richtig, das nennt man Flugzeugabsturz.
Was ist das? Deutsche Soldaten rücken in ein anderes Land ein, kurven dort mit gepanzerten Fahrzeugen herum, werden beschossen, schießen zurück, beklagen Tote und Verletzte. Das ist ... - falsch, das ist kein Krieg, das ist ein "Stabilisierungseinsatz". Und wer hier von Krieg redet, der handelt "unverantwortlich". Sagt der Bundesverteidigungsminister. Der muss es wissen, er ist schließlich vom Fach.
Der Mann - zur Erinnerung: Er heißt Franz Josef Jung - ist allenfalls vom Bäckerfach. Die Wortkonditorei, die er in Sachen Afghanistan betreibt, ist inzwischen völlig absurd, für die beteiligten Bundeswehrsoldaten fast schon beleidigend. Ganz so, als würde unser Verleger uns nicht als Zeitungsjournalisten, sondern als Beschäftigte der Papierindustrie bezeichnen. Ist nicht ganz falsch, führt aber meilenweit an der Sache vorbei.
Wenn Jung so weitermacht, dann nennen wir in Deutschland Verkehrsunfälle demnächst "Demolierfahrt" und Flugzeugabstürze "Destabilisierungsflug".
Weltbild des 19. Jahrhunderts
Mal kurz zu den Details: Deutschland hat Afghanistan nicht den Krieg erklärt, ist nicht einmarschiert, sondern mit Billigung der afghanischen Regierung im Land. Die Bundeswehr bekämpft nicht afghanische Regierungstruppen, insofern ist das kein Krieg der üblichen Kategorie. Aber sie bekämpft an der Seite der Regierungstruppen die Taliban, eine Art afghanische Partisanen. Wenn also Partisanenbekämpfung kein Krieg ist, wie Jung behauptet, dann können große Teile des Zweiten Weltkriegs nicht stattgefunden haben. Die Kämpfe der französischen Résistance, der jugoslawischen Tito-Truppe, der sowjetischen und polnischen Partisanen gegen die deutschen Besatzer - nach Jungs Definition kann das alles kein Krieg gewesen sein. Auch Vietnamkrieg dürften wir nicht mehr sagen, schließlich haben die Amerikaner im damaligen Südvietnam Partisanen bekämpft, nämlich den Vietcong.
Für Jung ist ein Krieg offenbar nur dann ein Krieg, wenn wie in napoleonischer Zeit die Armeen verschiedener Staaten aufeinanderprallen. Und man fragt sich langsam, ob ein Mann, der in den Kategorien des 19. Jahrhunderts denkt, wirklich der Richtige ist, um eine Armee in die asymmetrischen Kriege des 21. Jahrhunderts zu führen.