Von Verstaatlichung der Banken mag anderswo die Rede sein. In Deutschland finden derartige Ungeheuerlichkeiten nicht statt. Dem widerspricht auch nicht die Übernahme von 25 Prozent plus einer Aktie an den Stimmrechten der Commerzbank. Werden die beiden stillen Einlagen von je gut 8 Mrd. Euro dazugerechnet, hält der Staat nun über 50 Prozent am Eigenkapital der zweitgrößten Bank des Landes. Dennoch versichern Kanzlerin Angela Merkel und Finanzminister Peer Steinbrück, dass es ihnen nicht um Einflussnahme auf die Geschäftspolitik der Bank geht.
Sie sagen dabei die Wahrheit oder das, was sie dafür halten. Auf die Frage der FTD an Steinbrück, ob die Regierung ein starkes Interesse daran hatte, dass die Fusion mit der Dresdner Bank klappt, antwortete der mit einem schlichten "Ja" und: "Wir wollen einen weiteren starken Player neben der Deutschen Bank." Die Idee vom zweiten nationalen Bankchampion und die Kritik, dass, wie Steinbrück ebenso anmerkte, "das deutsche Bankensystem international gesehen zu kleinteilig" sei, geistern schon länger als gängige Vorurteile durch die Presse und Regierungskreise und werden von den Spitzenvertretern der Privatbanken vorgetragen.
Unsinnige Champion-Theorie
Letztere sind die Erfinder dieser Ansichten. Insbesondere Bankenpräsident Klaus-Peter Müller, der erst vor einem knappen Jahr den Vorsitz im Vorstand der Commerzbank mit dem im Aufsichtsrat getauscht hat, hat diese Thesen immer wieder vorgetragen. Sie sollten die Konkurrenz der (relativ kleinen) Sparkassen und (ziemlich kleinen) Genossenschaftsbanken als ineffizient denunzieren und sich das Wohlwollen der hohen Politik gegenüber der gelben Bank sichern.
Diese Thesen waren von Anfang an ziemlich unsinnig. Jetzt muss man schon Scheuklappen auf den Augen haben, um weiter an ihnen festzuhalten. Gerade die Kleinteiligkeit der deutschen Bankbranche hat die Kreditversorgung nicht total zusammenbrechen lassen. Was von nationalen Champions zu halten ist, kann man gut an der Performance des US-Großchampions Citigroup studieren.
Das eigentlich Verheerende ist dabei, dass die Mästung der Banken den deklarierten Zweck verfehlt. Die Banken sollten in die Lage versetzt werden, wieder Kredit zu vergeben. Tatsache ist, dass die Kreditversorgung der Wirtschaft sich in den letzten drei Monaten weiter verschlechtert hat. Die gehemmten Banker mäkeln an der Konstruktion des Rettungspakets herum. Der Finanzminister wiederum weist darauf hin, dass die wichtigsten Banker des Landes in Zusammenarbeit mit Herrn Müllers Bankenverband das Paket damals nach ihren eigenen Wünschen konstruiert haben. Schließlich bringt der Chef der Deutschen Bank, Josef Ackermann, den Wunsch der Banker auf den Punkt: Gebt uns eine Bad Bank.