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Merken   Drucken   28.04.2008, 17:42 Schriftgröße: AAA

Kolumne: Lucas Zeise: Die wahren Opfer der Inflation  

Im Weltbild der Bundesbanker dürfen nur Lohnbezieher und Rentner ihre Lasten tragen. Man muss den vom Ifo befragten Unternehmen fast schon dankbar sein, dass sie etwas Vorsicht bei der Beurteilung ihrer Geschäftsaussichten walten ließen. von Lucas Zeise
Wäre das Ifo-Geschäftsklima letzte Woche nicht gefallen, dann könnten es die Falken um Bundesbankpräsident Axel Weber im EZB-Rat noch schaffen, eine Zinserhöhung durchzudrücken. Zu welchem Zweck? Um die nach oben wegspurtende Inflation einzufangen, suggerieren sie in Reden und Interviews. Im Euro-Raum hat die Teuerungsrate im März unangenehme 3,6 Prozent erreicht. Das ist weit über der Zielvorstellung der Notenbank und weit jenseits dessen, was man den Wenigverdienern und Rentnern eigentlich zumuten möchte. Es ist in Ordnung, dass derart hohe Inflation den EZB-Räten peinlich ist. Doch ist das noch lange kein Grund, die konjunkturellen Aussichten schönzureden und panisch zur Zinserhöhung zu greifen.
Gegen Rohstoffpreise machtlos
Die steigenden Konsumentenpreise sind eindeutig die Folge der explodierenden Energie- und Nahrungsmittelpreise auf den Weltmärkten. Dass die Preise für viele Rohstoffe weiter steigen, obwohl die Weltkonjunktur ihren Höhepunkt bereits überschritten hat, ist so untypisch nicht. Wenn Sonderfaktoren auf der Angebotsseite Knappheiten hervorrufen, kommt es zu Vorratskäufen und hektischer Spekulation, obwohl die Händler wissen, dass sich die Lage in einem halben Jahr entspannen dürfte. Es ist mithin nicht unwahrscheinlich, dass sich der Abschwung in der zweiten Jahreshälfte auch in den Rohstoffpreisen niederschlägt. Aber selbst wenn der Preisschub weiterginge, wäre die EZB machtlos. Es ergibt wenig Sinn, gegen die steigende Nachfrage der Schwellenländer nach Rohstoffen und die zu langsam steigenden Produktionskapazitäten mit Zinserhöhungen im Euro-Raum vorzugehen.
Darum geht es nicht, sagen die Falken. Sie wollen, dass es zu keinen Sekundäreffekten kommt. Damit meinen sie, dass sich die Inflation von den Importgütern auf andere Sektoren verteilt. Genauer gesagt, soll der Kaufkraftverlust der Konsumenten von diesen nicht weitergegeben werden. Sie sollen für Benzin, Heizung, Gemüse, Brot und Reis zehn oder 20 Prozent mehr bezahlen. Sie sollen aber deshalb nicht fünf Prozent mehr Lohn erhalten. Kurz, sie sollen Reallohnverluste hinnehmen. Der feinere Ausdruck dafür lautet: Die Notenbank dürfe die gestiegenen Rohstoffpreise nicht akkomodieren.

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