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Merken   Drucken   07.01.2008, 18:05 Schriftgröße: AAA

Kolumne: Lucas Zeise: Eine Frage der Verteilung  

Ein kleines Rätsel ist es schon, warum die Mehrzahl der Aktienstrategen in Deutschland dem Dax ein sechstes positives Jahr in Folge vorhersagt. Dennoch scheint sich an der Börse langsam die Überzeugung durchzusetzen, dass die Finanzkrise auch in Europa auf breiter Front die Gewinne drücken wird. von Lucas Zeise
Eine drohende Rezession in den USA, der schwache Dollar, schwieriger werdende Finanzierungsbedingungen - aus solchen Faktoren entstehen keine steigenden Börsenkurse. Da hilft es auch wenig, wenn man auf die fehlende Attraktivität von Anleihen verweist, weil die Inflation in aller Welt etwas anzieht.
Auch die Bundesregierung schätzt die Lage jetzt realistischer ein. Wirtschaftsminister Michael Glos lässt seinen Sprecher verbreiten, Realismus sei geradezu sein Markenzeichen. Das deutsche BIP-Wachstum in diesem Jahr veranschlagt der Minister auf knapp unter zwei Prozent. Das ist wahrlich nicht viel, wenn man annimmt, dass das Wachstum im vierten Quartal noch stark war und sich somit ein statistischer Überhang von fast einem Prozent ergibt. Finanzminister Peer Steinbrück schreibt an seine Kabinettskollegen, sie sollten sich schon einmal auf Kürzungen im Haushalt 2009 einstellen. Die freundliche Steuerschätzung vom Herbst werde wohl nicht zu halten sein.
Realistische Analyse, falsche Schlüsse
Dem Realismus der Herren Glos und Steinbrück gebührt Lob - ihrer Reaktion auf die veränderte Lageeinschätzung jedoch Tadel. Das Verhalten ist nicht nur typisch für diese Bundesregierung und ihre beiden Vorgängerregierungen. Sie entlarvt auch, für wie hilflos ökonomisches Denken in Deutschland die Wirtschaftspolitik hält. Es wird Steinbrück, Glos und auch Kanzlerin Angela Merkel nicht einmal in ihren kühnsten Träumen einfallen, dass die Bundesregierung die negativen Folgen der Finanzkrise - oder zumindest einige von ihnen - abwenden oder mildern könnte.

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