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Merken   Drucken   16.06.2009, 18:31 Schriftgröße: AAA

Kolumne: Münchau - Die Wegguck-Kanzlerin  

Bundeskanzlerin Angela Merkel unterschätzt die gegenwärtige Krise. Das ist besonders bedauerlich, denn sie müsste gerade jetzt handeln, um zu verhindern, dass es für Deutschland noch schlimmer kommt. von Wolfgang Münchau
Kürzlich in der Talkshow von Maybrit Illner erzählte Angela Merkel sichtlich erleichtert, dass sich die Konjunktur auf dem Wege der Besserung befinde. Merkel kündigte an, beim nächsten G20-Gipfel der großen Industrie- und Entwicklungsländer werde Bilanz gezogen. Es ist immer wieder erstaunlich, wie wenig die Bundeskanzlerin von der Dynamik dieser Krise versteht. In Berlin denkt man offenbar, das Schlimmste sei vorüber, nur weil man ein vermeintlich tolles Bad-Bank-Gesetz auf den Weg gebracht und Opel gerettet hat.
Dabei ähnelt diese Krise einem tot geglaubten Übeltäter aus einem Horrorfilm, der sich unerwartet wieder aufrichtet und zum Messer greift wie einst Glenn Close in "Eine verhängnisvolle Affäre". In den letzten zwei Jahren gab es mehrere solche Phasen, in denen man das Schlimmste hinter sich wähnte: im Oktober 2007, im Februar 2008, im Sommer 2008 - und jedes Mal kam ein Rückschlag. Ich erwarte, dass der Sommer 2009 nicht anders sein wird.
Die jüngsten Konjunkturdaten sind schon nicht mehr ganz so ermutigend. Der Welthandel hat sich von seinem Absturz im Winter nicht einmal ansatzweise erholt. Überall erleben wir momentan fatale Rückkopplungsprozesse zwischen Realwirtschaft und Finanzsektor. Die Rezession führt zu einem Anstieg der Insolvenzen, was die Banken belastet, die ihrerseits mit Kreditzurückhaltung reagieren, was wiederum die Rezession verschlimmert. Die Krise wird noch bis weit in das Jahr 2010 andauern.

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