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Merken   Drucken   07.07.2009, 16:46 Schriftgröße: AAA

Kolumne: Münchau - Scheinlösungen gegen die Klemme  

Niemand kann die deutsche Wirtschaft an den Banken vorbei mit Kredit versorgen. Schuld ist die Politik. Die Kreditklemme ist der Preis für die Bankenpolitik der vergangenen Jahre. von Wolfgang Münchau
Sie kennen doch die drei Formen von Lügen: Lügen, verdammte Lügen und Statistiken. Die Statistik, wonach es in Deutschland keine Kreditklemme gibt, ist eine solche Lüge. Die Lüge besteht nicht darin, dass die Zahlen falsch sind, sondern dass sie etwas Falsches suggerieren. Um festzustellen, ob es eine tatsächliche Kreditklemme gibt, reicht eine Makrostatistik über das Volumen vergebener Kredite nicht aus. Der verzeichnete milde Anstieg der Volumina kann etwa bedeuten, dass bestehende Kreditlinien stärker genutzt werden.
Um die Lage wirklich einschätzen zu können, bräuchte man zusätzlich Daten zuhauf: über die gesamte Anzahl der Kreditanträge, deren Höhe, den Prozentsatz der Anträge, die von den Banken bewilligt werden und zu welchen Konditionen, die relative Veränderung zum Vorjahr, die durchschnittliche Laufzeit der Kredite sowie deren Veränderung zum Vorjahr und dann eine genaue Aufgliederung der Kredite für Haushalte, kleine, mittlere und Großunternehmen, ebenso nach Verwendungsart.
Und vor allem bräuchte man zeitnahe Statistiken, derzeit etwa für die erste Juliwoche, statt irgendwelche urhistorischen Daten. Vor zwei Monaten gab es sicherlich noch keine Kreditklemme. Das hat auch niemand behauptet. Die Informationen, die auf eine Klemme hindeuten, sind zum Teil anekdotisch und müssen ebenfalls nicht stimmen. Momentan würde ich aber den aktuellen Anekdoten den Vorzug vor alten und nicht wirklich aussagekräftigen Statistiken geben.

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