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Merken   Drucken   30.06.2009, 19:24 Schriftgröße: AAA

Kolumne: Münchau - Schulden müssen sich lohnen  

Die Deutschen sind chronische Schuldenverweigerer. Sie fürchten hohe Defizite, weil sie keine Hoffnung auf künftiges Wachstum haben. In der jetzigen Lage ein schwerer Fehler. von Wolfgang Münchau
Es gibt einen Fehler, der noch größer ist als übermäßige Verschuldung: die grundsätzliche Schuldenverweigerung. Für ein Überschuldungsproblem gibt es zwei Lösungen: entweder die Insolvenz, also das Ende mit Schrecken, oder die langjährige Schuldentilgung, ein Schrecken mit Ende irgendwann einmal. Für die Schuldenverweigerung gibt es keine Lösung. Es ist der Schrecken ohne Ende.
Wir Deutschen bewegen uns in diesem Punkt in Richtung eines Dogmas, das der Diktator Nicolae Ceausescu in Rumänien vorgab: die totale Schuldenfreiheit. Über die Notwendigkeit der Entschuldung besteht ein nationaler Konsens. Laut einer Allensbach-Umfrage wollen viele Jugendliche lieber nicht studieren, als ihre Berufskarriere mit Schulden zu beginnen. Dabei sind die Schulden der deutschen Studenten im Verhältnis zu den USA verschwindend gering.
Der durchschnittliche US-Student hat am Ende seines Studiums Schulden von 22.500 $. Wer an einer Law School oder Medical School studiert, hat oft sogar Schulden im sechsstelligen Bereich. Für jemanden, der danach ein sechsstelliges Jahresgehalt erwarten kann, sind diese Lasten kein Problem. Über die Lebensarbeitszeit gerechnet lohnt es sich für die meisten dieser Studenten, sich hoch zu verschulden, wenn das zu höheren Einkommen führt.
Genau das ist das Problem in Deutschland. Wer an einer mittelmäßigen deutschen Universität studiert, hat nicht unbedingt bessere Berufsaussichten und wegen der extrem geringen Spreizung der Gehälter vor allem keine besseren Gehaltsaussichten. Die Studenten, die ohne Schulden in den Beruf gehen, verhalten sich zumindest teilweise rational, weil der Staat keine Anreize zum Schuldenmachen gibt.

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