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Merken   Drucken   10.03.2009, 17:33 Schriftgröße: AAA

Kolumne: Münchau - Trotzig in die Katastrophe  

Die Europäer verhindern eine dringend notwendige Koordination des globalen Krisenmanagements. Ohne eine engere Abstimmung der wichtigsten Staaten droht der Weltwirtschaft der freie Fall. von Wolfgang Münchau
Im September und Oktober 2008 haben wir erlebt, wie die Politik aus einer globalen Finanzkrise eine globale Wirtschaftskrise gemacht hat. Das eigentliche Problem war nicht einmal die unzureichende Größe der nationalen Konjunkturpakete, sondern wegen der immensen Bedeutung des Welthandels und der stockenden internationalen Finanzströme die fehlende Koordination zwischen den Staaten.
Seit November befinden sich die deutschen Exporte im freien Fall. Im Januar betrug der Rückgang kalender- und saisonbereinigt ganze 4,4 Prozent gegenüber dem Vormonat. Verglichen mit dem Vorjahr sind das sogar mehr als 20 Prozent. Noch rasanter ist die Geschwindigkeit, mit der Deutschlands Leistungsbilanzüberschuss fällt. Waren es im Januar 2008 noch 15,6 Mrd. Euro, so lag das Plus im Januar 2009 nur bei 4,2 Mrd. Euro. Das Gleiche erleben wir gerade in Japan. Hier wie dort schmelzen die Handelsüberschüsse komplett zusammen. Und da die wirtschaftliche Erholung frühestens im Jahr 2011 einsetzen wird, wird es in Deutschland zu einer Wirtschaftskrise kommen, die keiner der unter 100-Jährigen als Erwachsener erlebt hat.
Ähnlich verzweifelt ist die Lage im Finanzsektor. Als die Amerikaner vergangene Woche erneut Steuermilliarden in den Versicherungsriesen AIG pumpten, war es vielen Beobachtern mulmig zumute. Bald stellte sich heraus, dass AIG bei den komplizierten Kreditderivaten viele internationale Banken als Vertragspartner hatte, an die bislang 50 Mrd. $ an Versicherungsleistungen geflossen sind. Auch die Deutsche Bank gehörte laut US-Medienberichten dazu.

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