FTD.de » Meinung » Kolumnen » Peter Ehrlich: Ein Obama für Deutschland

Merken   Drucken   13.02.2008, 19:20 Schriftgröße: AAA

Kolumne: Peter Ehrlich: Ein Obama für Deutschland  

In Berlin regieren Funktionäre und Langeweile. Begeisternde Persönlichkeiten würden beide leicht besiegen. von Peter Ehrlich
Was haben Barack Obama und Guido Westerwelle gemeinsam? Beide sind Jahrgang 1961 - und ihre Auftritte der vergangenen Tage kann man jeweils bei Youtube abrufen.
Leider enden hier die Gemeinsamkeiten. Der US-Präsidentschaftskandidat Obama sammelt gerade eine Volksbewegung in den USA, begeistert die Jugend, bringt Leidenschaft in die Politik eines Landes zurück, das sich deprimiert von seinen Volksvertretern abgewandt hatte. Obamas Rhetorik reißt mit, Westerwelles immergleiche Sprüche langweilen. Obwohl für einen Spitzenpolitiker immer noch relativ jung, ist der FDP-Chef doch ein uralter Bekannter in der deutschen Politik. Als Chef der Jungen Liberalen stand er schon Mitte der 80er-Jahre und damit vor Kurt Beck, Frank-Walter Steinmeier, Angela Merkel oder Christian Wulff auf der bundespolitischen Bühne. Nur Oskar Lafontaine ist noch länger als Westerwelle eine Fernsehfigur.
Was Westerwelle fehlt, ist Ausstrahlung, man kann auch von Charisma sprechen. Obamas Aufstieg fasziniert auch hierzulande deshalb viele Menschen, weil diese Kombination aus physischer und geistiger Präsenz den derzeit aktiven deutschen Politikern fast komplett abgeht. Die Ex-Kanzler Gerhard Schröder und Helmut Kohl haben ihre große Zeit hinter sich, aber ein gewisses Charisma kann man ihnen nicht absprechen. Schröder war noch einer, der für jedermann sichtbar kämpfte - nicht nur hinter den Kulissen, wie die amtierende Politikergeneration. Und ein großer Polarisierer wie der 1988 gestorbene CSU-Chef und bayerische Ministerpräsident Franz Josef Strauß hat auf der Bühne öffentlich geschwitzt wie ein Stahlarbeiter.
Kühle Manager der Macht
Es geht hier nicht um Nostalgie. Wir haben uns die Politiker gewählt, die wir gern wollen: Managerinnen und Manager der Macht, die nicht allzu aufgeregt agieren. Für das Bohren der dicken Bretter, von denen Max Weber mit Blick auf die Politik sprach, haben sie das richtige Augenmaß. Weber sprach aber auch von Leidenschaft. Angela Merkel und Kurt Beck betreiben mit ganzer Kraft und Leidenschaft Politik. Aber sie vermitteln nichts von dieser Leidenschaft.
Die Deutschen haben sich Politiker gewählt, die sie offenkundig langweilen. Deswegen sind wir hin- und hergerissen von Figuren wie dem französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy, deshalb die Sehnsucht nach "unbefleckten" Idolen wie dem Dalai Lama oder dem Papst. Uns ist die solide Merkel zwar lieber als Blender wie Sarkozy oder Silvio Berlusconi. Aber mit den umstrittenen Figuren schwindet zugleich das Interesse an Politik insgesamt.

Dieses ist ein kostenpflichtiger Inhalt der FTD. Bitte melden Sie sich an, um fortzufahren!

Abonnenten
Sie haben kostenlosen Zugang zum Weiterlesen oder Herunterladen. Bitte melden Sie ich mit Ihren Zugangsdaten über die Anmeldebox an.

Nicht-Abonnenten
Wenn Sie Interesse an einem FTD-Abo haben, informieren Sie sich über die verschiedenen Abo-Angebote unter www.ftd.de/abo-vergleich.

Alternativ können Sie für den Zugriff auf den gewünschten Inhalt ein Tagesticket erwerben. Für den Erwerb eines Tagestickets müssen Sie bei uns registriert sein (zur Registrierung). Nach Registrierung melden Sie sich einfach über die Anmeldebox an. Anschließend können Sie das Tagesticket erwerben.

Das Tagesticket bietet für 2,50 € einen 24-Stunden-Vollzugriff auf...

  • ...alle Premium-Artikel auf FTD.de
  • ...das aktuelle ePaper (Zeitung als PDF) und 1-Monats-Archiv der FTD
  • ...die Nachmittagsausgabe FTD 17 Uhr (PDF)
  • ...alle Sonderbeilagen der FTD (PDF)
  • ...alle älteren Ausgaben der FTD über einen Archiv-Zugang
  • ...alle archivierten Online-Artikel
Login

Statten Sie Ihre Mitarbeiter oder Key-Accounts mit dem Informationsangebot der FTD aus. Über Unternehmenslösungen für Abonnements oder Online-Zugänge informiert Sie gern unsere Abteilung Business Cooperations, corporate-solutions(at)ftd.de.

Bei Fragen rund ums Abo wenden Sie sich bitte an unsere Service-Zentrale unter kundenservice@ftd.de
Bei Fragen oder Problemen zu Ihrer Einzelverkaufsabrechnung wenden Sie sich bitte direkt an Click & Buy
  • Aus der FTD vom 14.02.2008
    © 2008 Financial Times Deutschland,
Jetzt bewerten
Bookmarken   Drucken   Senden   Leserbrief schreiben   Fehler melden  
  18.05. Pressestimmen zum Röttgen-Rauswurf "Angela Merkel eiskalt"
Pressestimmen zum Röttgen-Rauswurf: "Angela Merkel eiskalt"

Deutschlands Leitartikler zeigen sich verwundert über Merkels schroffe Art bei Röttgens Zwei-Minuten-Rausschmiss, erkennen dafür aber gute Gründe. Einer sieht die alte Merkel zurückkehren. mehr

 



  27.05. Deutsches Mädchen jahrelang als Sklavin gehalten
Vermischtes: Deutsches Mädchen jahrelang als Sklavin gehalten ...

In Bosnien ist ein deutsches Mädchen acht Jahre lang als Sklavin gehalten worden. mehr

Mehr zu: Bosnien, Deutsche

 
© 1999 - 2012 Financial Times Deutschland
Aktuelle Nachrichten über Wirtschaft, Politik, Finanzen und Börsen

Börsen- und Finanzmarktdaten:
Bereitstellung der Kurs- und Marktinformationen erfolgt durch die Interactive Data Managed Solutions AG. Es wird keine Haftung für die Richtigkeit der Angaben übernommen!

Über FTD.de | Impressum | Datenschutz | Disclaimer | Mediadaten | E-Mail an FTD | Sitemap | Hilfe | Archiv
Mit ICRA gekennzeichnet

VW | Siemens | Apple | Gold | MBA | Business English | IQ-Test | Gehaltsrechner | Festgeld-Vergleich | Erbschaftssteuer
G+J Glossar
Partner-Angebote