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Merken   Drucken   17.12.2008, 19:17 Schriftgröße: AAA

Kolumne: Peter Ehrlich - Wahrheit scheibchenweise  

Der Umgang mit der Wirtschaftskrise lässt nicht darauf hoffen, dass sich Politik und Wirtschaft im Wahljahr 2009 durch Offenheit und Transparenz gegenüber den Bürgern auszeichnen werden. von Peter Ehrlich
Ach, wäre das schön gewesen, wenn Bernard Madoffs gigantischer Kettenbrief-Hedge-Fonds schon Mitte September aufgeflogen wäre. Der akute Teil der Finanzkrise hätte mit einem echten Täter angefangen, einem Monster im Schafspelz, und nicht mit der scheinbar seriösen Investmentbank Lehman Brothers. Einen Schuldigen für das Desaster präsentieren zu können wäre Bankern und Politikern sicher recht gewesen.
Bekanntlich ist die Sache aber leider komplizierter. Die Illusion von einem mit reichen Renditen gesegneten Finanzsystem, das die Weltwirtschaft antreibt und damit zu neuem Wohlstand führt, wurde nicht nur von den PR-Leuten an der Wall Street gepflegt. In Deutschland gab es auch nicht nur Josef Ackermann, den Lieblingsbuhmann der Kabarettisten.
Zur Wahrheit gehört, dass große Teile der Politik und der Medien die pseudoreligiöse Illusion vom freien Finanzmarkt genährt haben und die Kleinsparer in aller Welt versuchten, ein wenig vom großen Gewinn abzubekommen. Wie schon in Zeiten der Interneteuphorie wurde eine Art neue Stufe des Kapitalismus beschworen, und am Ende kam eine ganz normale Blase heraus. Leute wie der heutige Bundespräsident Horst Köhler haben das Tierchen freigelassen, in dem sie später erschrocken ein "Monster" erkannten. Menschen wie Angela Merkel haben nicht bemerkt, dass im Kapitalismus kurz vor dem Zusammenbruch einer Illusion genauso heftig gelogen wird wie im Sozialismus. Manager wie Ackermann glauben immer noch, dass Renditen von 25 Prozent und mehr eigentlich Standard sein sollten.

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