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Merken   Drucken   12.02.2009, 19:18 Schriftgröße: AAA

Kolumne: Thomas Fricke - Banken zuletzt  

In der Krise soll alles Mögliche getan werden, damit die bösen Banker wieder Kredite vergeben. Das kann gefährlich werden. Zuerst muss der wirtschaftliche Absturz gestoppt werden. Dann kommt die Bank. von Thomas Fricke
Die Aufgabenstellung scheint klar. Unsere unrühmlichen Gesellen in den Banken müssen endlich aufhören, sich dem Kreditgeschäft zu verweigern - und ihre unerhört faulen Geschäfte loswerden. Fertig. So oder so ähnlich klingt, was Regierende wie die Bundeskanzlerin und unser entgleister Finanzminister derzeit gern aufsagen.
Das klingt populär und Talkshow-tauglich. Schuld ist in jedem Fall der Banker. Die Frage ist nur, ob es uns wirklich rettet, die Bankangestellten zu drängen, wieder Kredite zu vergeben. Könnte sogar sein, dass das nach hinten losgeht. Die Erfahrung mit Finanzcrashs drängt eher den Verdacht auf, dass sich erst die Wirtschaft erholen muss, bevor Banken wieder Geld verleihen, nicht umgekehrt - wirtschaftspolitisch macht das einen großen Unterschied.
Die Rezession macht vieles toxisch
Bisher ist nicht einmal klar, welchen Anteil die Banker und ihre angebliche Kreditallergie an der wirtschaftlichen Rezession haben. Natürlich haben die Geldmanager ihre hauseigenen Probleme. Nur sind viele konjunkturelle Indikatoren schon im Frühsommer abgestürzt, als die Kreditvergabe noch expandierte - und es Lehman Brothers noch gab. Seitdem lässt die Kreditdynamik zwar nach. Nur kann das logisch dann nicht Ursprung des Lehman-Crashs sein.
Nach Umfragen der Europäischen Zentralbank geben selbst drei Monate später fast drei Viertel aller Banken im Euro-Raum an, dass sich die Finanzmarktkrise auf ihre Kreditvergabe bisher nicht deutlich auswirkt. Ähnliches ergeben Befragungen des Ifo-Instituts bei den Unternehmen. Im Dezember sagten immerhin 60 Prozent der Firmen, dass sie die Kreditvergabe nicht als restriktiv empfinden - deutlich mehr als etwa 2003. Tendenz zum Jahresende: unverändert.
Viel tückischer ist, dass die Wirkungskette bei Krediten mittlerweile auch in die umgekehrte Richtung läuft, womöglich sogar viel stärker. Mit jedem weiteren Einbruch der globalen Nachfrage lässt bei Unternehmen der Bedarf nach, überhaupt noch Kredite für neue Projekte zu beantragen. Und: Je stärker die Unternehmen kriseln, desto gewagter wirkt es auch ganz objektiv, ihnen neue Kredite zu gewähren. Das wäre auch ohne Bankenkrise so. Siehe Schaeffler. Oder Märklin. Die Modelleisenbahnbauer hätte früher auch Tante Erna nicht als toxisch eingestuft.

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