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FTD-Serie: Thomas Fricke - Die Kolumne

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Merken   Drucken   26.09.2008, 08:16 Schriftgröße: AAA

Kolumne: Thomas Fricke: Die Grenzen der Freiheit

Wer Finanzkrisen wirklich lösen will, sollte aufhören, über gierige Leute oder maßlose Amis zu jammern. Der Kern des Seriendramas ist, dass die Finanzwelt mit sich selbst überfordert ist. Das ist eher ein Systemproblem.
von Thomas Fricke

Deutschland kann sich Oskar Lafontaine derzeit sparen. Über "zügelloses Streben nach Renditen" ereifert sich mindestens so stark der amtierende Bundesfinanzminister, Steuerstreber Peer Steinbrück. Während Unionspolitiker über (verschuldete) Amerikaner herziehen oder über Bankvorstände, die mit ihrem Privatvermögen haftbar gemacht werden sollten. Brüder, zur Sonne.

Klar gibt es furchtbare Menschen, die immer mehr Geld haben wollen. Die Frage ist nur, ob das wirklich das Problem ist. Und ob es erklärt, warum es in der Finanzwelt so regelmäßig zu zunehmend gefährlichen Crashs kommt - weniger im Handel mit, sagen wir, Zahnrädern.

Das Problem könnte weniger in der Gier liegen, sondern darin, dass Banker und Investoren mit der eigenen Welt heute stark überfordert sind. Eher ein Systemproblem.

US-Hauspreise nach Case-Shiller-Index zum Vorjahr   US-Hauspreise nach Case-Shiller-Index zum Vorjahr

Mär von der stabilisierenden Spekulation

Vor dem Aktiencrash 1987 gab es einen - politisch begrüßten - Run auf Aktien. Vor der Asienkrise 1997/98 fanden es alle klasse, dass man dort riesige Renditen machen kann. Mal war Thailand dran. Mal Argentinien. Dann kam die New Economy: erst Boom, dann Krise. Jetzt sind es Subprime und hingerissene Investmentbanker.

Das tägliche Finanzgeschäft mit Ölkontrakten läuft im Prinzip genauso. Ökonomisch ist kaum nachvollziehbar, warum die Kurse im ersten Halbjahr auf 150 $ je Barrel schnellten. So abrupt hat sich weder das Angebot noch die Nachfrage verändert. Ähnliches gilt im Devisengeschäft. Ökonomisch lassen sich weder die Kapriolen des Yen rechtfertigen. Noch lässt sich erklären, warum der Euro prozentual zweistellig aufgewertet hat: weder durch die Außenhandelsbilanz, die ausgeglichen ist, noch durch eine rasant gestiegene Wirtschaftskraft von, sagen wir, Italien. Nach jüngsten Schätzungen der Deutschen Bank liegt der Euro um ein Drittel über dem, was "ökonomisch fair" wäre.

Als in den 70ern die große Freiheitswelle auf den Finanzmärkten losging, schworen Milton Friedman und deutsche Sachverständigenräte, dass die Freiheit stabilisierend wirken werde: Bewegt sich eine Währung, Aktie oder Immobilie zu stark in eine Richtung, werde es Leute geben, die wissen, dass der Trend bald kippt, darauf spekulieren und ein Überschießen so verhindern. Am Ende geht es allen prima.

Von wegen. Weder wurde Amerikas Immobilienblase frühzeitig durch weitsichtige Anleger niederspekuliert; noch das Überschießen des Euro, der Asien-Run der 90er oder die Auswüchse an der Nasdaq. Selbst wenn Notenbanken zu manchem Kurshöhenflug durch zeitweise billiges Geld beigetragen haben, wie es gerade gern behauptet wird, hätten (der Annahme nach) rationale Investoren das längst durchschauen müssen - und sich auf das Spiel vorausschauend erst gar nicht einlassen dürfen. Dann hätten US-Häuslebauer den Hype früh erkennen und sich heraushalten müssen.

Teil 2: Einfache Regeln und Herdentrieb

  • Aus der FTD vom 26.09.2008
    © 2008 Financial Times Deutschland
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