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Merken   Drucken   10.07.2008, 19:20 Schriftgröße: AAA

Kolumne: Thomas Fricke: Ein bisschen Spaß muss sein  

Die Regierung will uns vom Ölpreis nicht entlasten, unsere Notenbanker verteuern im Abschwung präventiv das Geld. Und jetzt sollen wir fürs Klima auch noch Urlaub an der Ostsee machen. Das geht eindeutig zu weit. von Thomas Fricke
Wenn es ums Kriseln geht, kennen die Deutschen keine Gnade. Der Finanzminister schmettert stolz jede Forderung ab, uns vom hohen Ölpreis zu entlasten - weil das schlecht für seinen Etat wäre. Deutsche Notenbanker lassen die Zinsen im Abschwung anheben - weil das gut gegen Inflation sei. Und jetzt sollen wir auch noch Urlaub an der Ostsee machen - weil das angeblich gegen die Klimaerwärmung hilft.
Das Motto heißt fasten. Dabei fragt sich, ob es der Welt sehr viel besser ginge, wenn wir jetzt alle Urlaub zwischen Doris' Nagelstudio und Kurklinik Düne machen. Oder wenn Dagobert Steinduck unsere Steuern hortet, statt mit dem Geld gegen den Konjunkturkollaps anzugehen. Oder die Notenbank Kredite verknappt, obwohl diese krisenbedingt womöglich ohnehin bald nicht mehr gefragt werden. Absurd. Die Deutschen zählen derzeit zu den wenigen auf der Welt, die ruhig mal Spaß haben dürften.
Hang zur Mönchonomie
Mag ja sein, dass "der zweiwöchige Ostseeurlaub einer vierköpfigen Familie" nur 258 Kilogramm CO2 hinterlässt - 14 Tage Mallorca aber 1221 Kilo, wie uns die Retter des WWF Deutschland zum Beginn der Urlaubszeit diese Woche einfühlsam vorgerechnet haben. Nur passen wir erstens ohnehin nicht alle an die Ostsee. Zweitens fragt sich, was dann mit den Beschäftigten in Thailand oder auf Mallorca passiert (zumal Spanien ohnehin in eine Rezession steuert). Und ob ein notorischer Exportweltmeister nicht wenigstens im Urlaub auch mal Geld bei anderen lassen sollte, statt immer nur Rechnungen für Ausfuhrleistung auszustellen.
Da hilft es auch wenig, wenn man uns vorschwärmt, dass der hohe Ölpreis ja auch toll sei - weil sich alternative Energien eher lohnen. Im Moment führt die Preisverdopplung nach Ansicht des Potsdamer Klimaökonomen Ottmar Edenhofer vor allem dazu, dass mehr klimaschädliche Kohle gefördert wird.

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