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Merken   Drucken   05.06.2008, 19:28 Schriftgröße: AAA

Kolumne: Thomas Fricke: Gefühlloser Aufschwung  

Nach drei Boomjahren wundern sich Politiker wie Experten, warum die Deutschen über den Aufschwung nicht begeistert sind. Wie undankbar. Erklärungen liefert ein Ausflug in die Glücksforschung. von Thomas Fricke
Die deutsche Wirtschaft dürfte 2008 zum dritten Mal in Folge um mehr als zwei Prozent wachsen. Das hat es, außer im Einheitsboom, seit den 70ern nicht gegeben. Die Arbeitslosigkeit liegt nur noch knapp über drei Millionen, und es gibt 1,5 Millionen mehr Stellen. Wahnsinn.
Nur die Deutschen scheinen das irgendwie nicht toll zu finden, wenn man nach gängigen Umfragen und dem stetig steigenden Hang zum Vorsichtssparen statt Geldausgeben geht.
Ein Rätsel? Nicht unbedingt. Könnte gut sein, dass sich die mangelnde Begeisterung psychologisch erklären lässt, jenseits gängiger ökonomischer Kriterien und hoher Benzinpreise. Und dass die Deutschen ein Lehrstück dafür liefern, wie man am besten nicht reformieren sollte.
Vom Märchen zum Rätsel
An mangelndem Aufschwung an sich kann es nicht liegen. Die Wertschöpfung im Inland liegt mittlerweile ein Siebtel höher als im New-Economy-Boom 2000. Und was boomt, sind nicht mehr Mini- oder Ein-Euro-Jobs und Zeitarbeit, sondern sozialversicherungspflichtige Vollzeitjobs. Selbst die Langzeitarbeitslosigkeit ist bereits um mehr als eine halbe Million gesunken. Was nach Umfragen offenbar auch die Deutschen nicht bezweifeln. Seit Anfang 2007 äußert Monat für Monat eine Mehrheit der Befragten, dass die Arbeitslosigkeit weiter fallen wird. So zuversichtlich gaben sich die Deutschen schon seit Jahrzehnten nicht mehr.
Nun könnte man sagen, dass der Aufschwung nicht richtig ankommt, weil die Preise stark gestiegen sind, bei bislang kaum anziehenden Löhnen. Was sich an sich nicht leugnen lässt und allein via Mehrwertsteuererhöhung sogar regierungsamtlich gefördert wurde. Nur haben die Deutschen ihre Konsumneigung selbst nominal weiter eingeschränkt und die Ersparnisse aufgestockt. Abgesehen davon, dass selbst höhere Benzin- und Butterpreise eigentlich harmlos sind verglichen damit, was den Deutschen vor Kurzem noch prophezeit wurde: dass sie krisenbedingt immer weniger Einkommen haben werden, und nicht drei, sondern bald sechs Millionen Arbeitslose.

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