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Merken   Drucken   07.05.2009, 19:44 Schriftgröße: AAA

Kolumne: Thomas Fricke: Konjunktureller Vorfrühling  

Die Gefahr eines ungebremsten Falles der Weltwirtschaft in die Depression scheint abgewendet. Ungewiss ist, ob Deutschland davon rasch profitiert - oder auf der Strecke bleibt, wie nach dem Konjunkturabsturz 2001. von Thomas Fricke
Noch vor ein paar Wochen schien selbst der schlimmste Fall möglich: eine Ausweitung des jüngsten Abschwungs zur globalen Dauerdepression. Jetzt mehren sich die Zeichen dafür, dass das Tempo des Absturzes nachlässt; dass es gelungen ist, das Schlimmste zu verhindern - immerhin. Chinesen wie Amerikaner melden, dass hie und da schon wieder mehr Geld ausgegeben wird. Der Welthandel ist zuletzt nicht mehr geschrumpft.
Gemessen an den Befürchtungen ist das schon eine Menge. Die Frage ist nur, ob davon bald auch jene profitieren, die in der Krise weltweit am schlimmsten gestürzt sind. Wie Deutschland. Oder Japan. Immerhin haben die Deutschen vor ein paar Jahren erlebt, dass eine stabilisierte Weltwirtschaft nicht allen gleich einen Aufschwung beschert. Im Gegenteil: In Deutschland dauerte es nach der New-Economy-Krise noch drei Jahre, bis die Arbeitslosigkeit zu steigen aufhörte - anders als im Rest der Welt. Ähnlich erging es Japan in den 90er-Jahren.
Abwrackprämie statt "Geiz ist geil"
Auf Anhieb spricht einiges dafür, dass die Deutschen diesmal besser mitziehen als nach 2001. Anders als damals gibt es heute keine (rot-grüne) Regierung, die inmitten akuter Konjunktur- und Nachfrageeinbrüche längerfristige Strukturprobleme zu lösen versucht - und damit alles nur noch schlimmer macht. Heute gibt es statt "Geiz ist geil" die Abwrackprämie, die den Konsumabsturz verhindert. Und eine Rentenerhöhung statt Riester-Reformen, die Ruheständler verschrecken und im denkbar ungünstigsten Moment zum Sparen animieren. Anders als damals gibt es heute auch keinen Grund, in den Unternehmen drastisch Kosten zu senken, weil ein überhöhter Umtauschkurs zum Euro oder die Spätfolgen der Einheit auf die Wettbewerbsfähigkeit wettzumachen wären.

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