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Merken   Drucken   19.02.2009, 19:07 Schriftgröße: AAA

Kolumne: Thomas Fricke - Schrott schlägt Spott  

Die Abwrackprämie hat das Zeug, zum Musterbeispiel für moderne Konjunkturpolitik zu werden. Es ist höchste Zeit, die Erfahrung aus dem Mikroexperiment in ein großes Programm einfließen zu lassen. von Thomas Fricke
Seit es die Abwrackprämie für Altautos gibt, kommen Deutschlands Sorgenträger richtig in Fahrt. Da wehklagen ökologische Verhaltenspolizisten und ökonomische Ordnungshüter. Da klagt der Fahrradverband über Autolobbys und der Bund der Kriminalbeamten über (angeblichen) Betrug.
Einziger Haken: Die Sache funktioniert, und das auch noch ziemlich eindrucksvoll, viel besser als selbst an dieser Stelle anfangs vermutet. Nach einem Monat Abwrackpraxis drängt sich der Schluss auf, dass die Aktion sogar das Zeug hat, künftig als Lehrbeispiel für moderne Konjunkturpolitik durchzugehen, zumindest als Mikroexperiment. Die Bundesregierung sollte daraus schon jetzt Konsequenzen ziehen und aus dem zaghaften Branchenversuch ein richtig großes Programm für den konjunkturellen Katastrophenfall entwickeln.
Ziel der Abwrackprämie ist es, in einem dramatischen konjunkturellen Abschwung Nachfrage zu stützen - nicht, ordnungspolitische Ehrenpreise oder Umweltengel zu gewinnen. In den ersten vier Wochen sind mittlerweile 85.000 Anträge auf die 2500 Euro Zuschuss zur Verschrottung mindestens neun Jahre alter Autos gegen Neuwagenkauf eingegangen. Das sind Anträge im Minutentakt. Und das entspricht fast der Hälfte aller Pkw, die im Januar üblicherweise in Deutschland zugelassen werden. Plötzlich melden Opel, Ford  und Volkswagen  Umsatzzuwächse - während der Absatz fast auf der ganzen Welt mit zweistelligen Prozentraten einbricht.

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