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Merken   Drucken   20.08.2008, 18:36 Schriftgröße: AAA

Kolumne: Thomas Klau: Amerika verliert die Kontrolle  

In Georgien zeigt sich deutlich die zunehmende Impotenz der USA. Daraus ergibt sich die zwingende Konsequenz: Europa muss sich zusammenraufen. von Thomas Klau
Es ist im Entsetzen um den Georgien-Krieg fast untergegangen: Der georgische Präsident Michail Saakaschwili hielt es offenkundig nicht für nötig, seinen wichtigsten Verbündeten über seinen nächtlichen Militärschlag - oder Angriff? - in Südossetien vorab zu informieren. Die USA, so scheint es, wurden vom Ausbruch des Kriegs und dann von seiner Ausweitung bis weit nach Georgien hinein komplett überrascht. Denn auch das Lausch- und Spionagesystem der USA versagte. Stattdessen glaubte Washington offenbar russischen Versprechen, jeder denkbare Konflikt werde geografisch auf die abtrünnigen Regionen in Georgien begrenzt.
Saakaschwili beging einen atemberaubenden Fehler, der von Moskau vermutlich gezielt provoziert und unzweifelhaft brutal ausgeschlachtet wurde. Beides dokumentiert amerikanische Schwäche und nährt den Verdacht, dass die USA zunehmend überfordert sind.
Der Krieg markiert zugleich das Ende der in den 90er-Jahren propagierten Vorstellung, dass die westlichen Demokratien allein bestimmen können und sollen, welche kleineren Staaten Souveränitätsschutz genießen und welche (wie Serbien) nicht. Russland hat aus der Rhetorik des Westens gelernt und ihm in Georgien erstmals das Monopol darauf streitig gemacht, Krieg außerhalb seiner Grenzen als humanitäre Intervention zu begründen. So unglaubwürdig diese Erklärungen angesichts Tschetscheniens sind, Georgien lässt uns keine Wahl: Wir werden darüber nachdenken müssen, was die neue Stärke autoritär geführter Länder wie Russland und China für ein Recht auf gewaltsame Einmischung in fremde Staaten bedeutet.

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