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Merken   Drucken   29.10.2008, 19:29 Schriftgröße: AAA

Kolumne: Thomas Klau - Ende des Bush-Albtraums  

Ob Barack Obama die gleichen inhaltlichen Prioritäten setzt wie Europa, ist zweitrangig. Seine Präsidentschaft wäre Balsam für das verwundete transatlantische Verhältnis. von Thomas Klau
Der jüngste US-Angriff auf antiwestliche Irakkämpfer auf syrischem Territorium zeigt, dass auch ein diskreditierter US-Präsident unmittelbar vor seinem Abgang noch die Parameter der US-Außenpolitik verändern kann. Die Ära Bush ist noch nicht vorbei; wir können erst dann wirklich aufatmen, wenn der Nachfolger von George W. Bush an einem kalten Januarnachmittag vor dem Kapitol in Washington vereidigt wird.
Doch die Wahl am kommenden Dienstag wird eine Zäsur markieren - und zwar eine spektakuläre, wenn eine Mehrheit der Amerikaner über die Republikaner das Scherbengericht verhängt, das diese unselige, auf Bigotterie und Nationalismus setzende Partei schon seit Langem verdient.
Es ist gerade Mode unter Analysten, Experten und Diplomaten, die Stirn bedächtig in Falten zu legen und vor naivem Optimismus zu warnen, der sich beim unkundigen Plebs an eine Präsidentschaft Barack Obamas  knüpft. Es werde durchaus ungemütlich mit dem Demokraten, warnen sie; der Heilsbringer werde den Europäern mehr Soldaten für Afghanistan abverlangen; er werde in der Handelspolitik dem Druck der Protektionisten in seiner Partei nachgeben. Ansonsten werde Kontinuität die US-Außenpolitik markieren, zumal George W. Bush in den letzten zwei Jahren auf einen angenehm traditionellen Kurs des Umgangs mit Alliierten und anderen Mächten zurückgeschwenkt sei.
Emotionen vor Sachfragen
Sie haben recht in allen Punkten, diese Anwälte kühler Sachlichkeit, und sie irren dennoch. Denn mit ihrer Konzentration auf die Details verstellen sie den entscheidenden Blick aufs Ganze. Kein anderes Verhältnis zu einem fremden Land weckt in der europäischen Bevölkerung so starke Emotionen wie das zu den USA. Die transatlantische Beziehung mobilisiert Gefühl und Aufmerksamkeit auch des unpolitischeren Teils der Bevölkerung, und deshalb ergibt die Summe der Divergenzen und Übereinstimmungen über Sachfragen der Politik noch lange kein Gesamtbild der transatlantischen Wirklichkeit.

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