FTD.de » Meinung » Kolumnen » Thomas Klau - Europas absurder Kandidat

Merken   Drucken   29.07.2009, 18:52 Schriftgröße: AAA

Kolumne: Thomas Klau - Europas absurder Kandidat  

Tony Blair hat als Europäer und Staatsmann zu oft versagt, um die EU in der Welt zu vertreten. Da hilft auch noch so viel Charme des britischen Ex-Premiers nicht. von Thomas Klau
Daniel Cohn-Bendit hat das passende Wort gefunden: Der von britischer Seite nun offiziös bestätigte Vorschlag, Tony Blair zum ersten europäisch gewählten Präsidenten des Europäischen Rates zu machen, ist in der Tat absurd. Wenn die Iren Anfang Oktober mit Ja stimmen und der Lissabon-Vertrag rechtzeitig die letzten Ratifizierungshürden nimmt, wird die EU erstmals in ihrer Geschichte einen mindestens zweieinhalb Jahre lang agierenden Spitzenvertreter bekommen, der ihr nach innen wie außen ein klar erkennbares Gesicht geben kann. Die erste Frau oder der erste Mann, der dieses Amt übernimmt, wird viel dazu beitragen, die Konturen des Amtes zu prägen. Eine schlechtere Wahl als Blair ist dafür kaum vorstellbar.
Zu Blairs Kapital zählt viel persönlicher Charme; es ist leicht, sich von dem berühmten Lächeln, der Begeisterung in der Stimme, dem Hand-aufs-Herz-Legen, den bewegten Reden von Integrität, Glauben und Moral bestechen zu lassen. Zu seiner Bilanz zählen Erfolge wie das Ende des Nordirlandkonflikts und der mutige Militäreinsatz zur Beendigung des Bürgerkriegs in Sierra Leone.
Doch der nüchterne Blick auf Blairs zehn Jahre an Großbritanniens Regierungsspitze weist diese erstklassige Wahlkampfmaschine als unterdurchschnittlichen Staatsmann aus, bei dem frischer Stil und gefällige Rhetorik oft fehlendes Urteilsvermögen, oberflächliches Denken und mangelndes Verständnis elementarer Zusammenhänge übertünchten. Das gilt für den Irakkrieg, doch es gilt ebenso für andere Kernbereiche, die für die Wohlfahrt Europas relevant sind. Blair legte teilweise ein leichtfertiges, bisweilen auch zynisch-destruktives Handeln an den Tag, das ihn für jeden europäischen Spitzenjob disqualifizieren sollte.

Dieses ist ein kostenpflichtiger Inhalt der FTD. Bitte melden Sie sich an, um fortzufahren!

Abonnenten
Sie haben kostenlosen Zugang zum Weiterlesen oder Herunterladen. Bitte melden Sie ich mit Ihren Zugangsdaten über die Anmeldebox an.

Nicht-Abonnenten
Wenn Sie Interesse an einem FTD-Abo haben, informieren Sie sich über die verschiedenen Abo-Angebote unter www.ftd.de/abo-vergleich.

Alternativ können Sie für den Zugriff auf den gewünschten Inhalt ein Tagesticket erwerben. Für den Erwerb eines Tagestickets müssen Sie bei uns registriert sein (zur Registrierung). Nach Registrierung melden Sie sich einfach über die Anmeldebox an. Anschließend können Sie das Tagesticket erwerben.

Das Tagesticket bietet für 2,50 € einen 24-Stunden-Vollzugriff auf...

  • ...alle Premium-Artikel auf FTD.de
  • ...das aktuelle ePaper (Zeitung als PDF) und 1-Monats-Archiv der FTD
  • ...die Nachmittagsausgabe FTD 17 Uhr (PDF)
  • ...alle Sonderbeilagen der FTD (PDF)
  • ...alle älteren Ausgaben der FTD über einen Archiv-Zugang
  • ...alle archivierten Online-Artikel
Login

Statten Sie Ihre Mitarbeiter oder Key-Accounts mit dem Informationsangebot der FTD aus. Über Unternehmenslösungen für Abonnements oder Online-Zugänge informiert Sie gern unsere Abteilung Business Cooperations, corporate-solutions(at)ftd.de.

Bei Fragen rund ums Abo wenden Sie sich bitte an unsere Service-Zentrale unter kundenservice@ftd.de
Bei Fragen oder Problemen zu Ihrer Einzelverkaufsabrechnung wenden Sie sich bitte direkt an Click & Buy
  • Aus der FTD vom 30.07.2009
    © 2009 Financial Times Deutschland,
Jetzt bewerten
Bookmarken   Drucken   Senden   Leserbrief schreiben   Fehler melden  
  18.05. Pressestimmen zum Röttgen-Rauswurf "Angela Merkel eiskalt"
Pressestimmen zum Röttgen-Rauswurf: "Angela Merkel eiskalt"

Deutschlands Leitartikler zeigen sich verwundert über Merkels schroffe Art bei Röttgens Zwei-Minuten-Rausschmiss, erkennen dafür aber gute Gründe. Einer sieht die alte Merkel zurückkehren. mehr

 



  27.05. Deutsches Mädchen jahrelang als Sklavin gehalten
Vermischtes: Deutsches Mädchen jahrelang als Sklavin gehalten ...

In Bosnien ist ein deutsches Mädchen acht Jahre lang als Sklavin gehalten worden. mehr

Mehr zu: Bosnien, Deutsche

 
© 1999 - 2012 Financial Times Deutschland
Aktuelle Nachrichten über Wirtschaft, Politik, Finanzen und Börsen

Börsen- und Finanzmarktdaten:
Bereitstellung der Kurs- und Marktinformationen erfolgt durch die Interactive Data Managed Solutions AG. Es wird keine Haftung für die Richtigkeit der Angaben übernommen!

Über FTD.de | Impressum | Datenschutz | Disclaimer | Mediadaten | E-Mail an FTD | Sitemap | Hilfe | Archiv
Mit ICRA gekennzeichnet

VW | Siemens | Apple | Gold | MBA | Business English | IQ-Test | Gehaltsrechner | Festgeld-Vergleich | Erbschaftssteuer
G+J Glossar
Partner-Angebote