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Merken   Drucken   28.11.2007, 18:22 Schriftgröße: AAA

Kolumne: Thomas Klau: Gegenwind für die Volksherrschaft  

Autoritäre Regierungen erleben derzeit eine Renaissance - die Demokraten in aller Welt müssen dagegen ankämpfen. Und zwar massiv. von Thomas Klau
Achtzehn Jahre ist es her, dass Francis Fukuyama sich mit der Prognose vom "Ende der Geschichte" weltweite Aufmerksamkeit und Berühmtheit verschaffte. "Was wir derzeit erleben, ist womöglich nicht nur das Ende des Kalten Krieges oder der Abschluss einer bestimmten Phase der Nachkriegsgeschichte, sondern das Ende der Geschichte als solcher", schrieb der amerikanische Intellektuelle in seinem im Revolutionsjahr 1989 veröffentlichten Essay. Die Menschheit habe womöglich den Endpunkt ihrer ideologischen Evolution erreicht, nämlich "die Universalisierung der westlichen liberalen Demokratie als der endgültigen Regierungsform".
Fukuyama hat sich von seiner Analyse längst distanziert; nicht wenigen erschienen seine Aussagen schon damals wie flott formulierter Nonsens. Dennoch genossen sie eine Zeit lang erstaunliche Resonanz. Die sowjetische Diktatur war im Wettstreit mit den liberalen Demokratien zu Staub zerfallen, die USA glänzten als Beweis, dass funktionierende Demokratie mit militärischer Überlegenheit vereinbar ist. Es schien aus dieser Erfahrung heraus zwingend, dass der Siegeszug des liberalen Staatssystems nach dem Ostblock auch China, Asien und schließlich selbst Afrika erneuern werde.
Demokratie in der Defensive
Tempi passati. Heutzutage dominiert nicht mehr die Hoffnung auf den Triumph der Demokratie, sondern - ganz im Gegenteil - die Furcht vor einer dauerhaften Renaissance autoritärer Herrschaftsformen. In Russland wie in China genießen autoritäre Zentralgewalten dank eines starken Wirtschaftswachstums hohen Rückhalt in der Bevölkerung; in Lateinamerika beweist der Venezolaner Hugo Chavez, dass der lange Zeit vorherrschende Trend zu mehr Demokratie in der südlichen Hälfte des Kontinents keineswegs unumkehrbar ist. Düsterer noch erscheint die Lage in den arabischen Ländern, wo freie Wahlen fast überall islamische Savonarola-Jünger an die Macht bringen würden, die demokratische Herrschaft wollen, um puritanischen Terror durchzusetzen.
Im Nachrichtenmagazin "Der Spiegel", dem Zentralorgan des deutschen Zeitgeists, schrieb Dirk Kurbjuweit kürzlich in einer Reportage zum jüngsten Chinabesuch der Kanzlerin einen Absatz, der das Einsamkeitsgefühl der Demokraten aufgreift und mit einer ketzerischen Frage verknüpft. "Es wird spannend, auf welche Seite sich künftig das Kapital schlagen wird", so Kurbjuweit. "Bislang war es aufseiten der Demokratie, weil fast nur demokratische Industriestaaten sich der Marktwirtschaft verschrieben haben. Das Modell China könnte langfristig eine Alternative werden. Man vergisst manchmal, dass Demokratie nur die Sache eines Zeitalters sein könnte und nicht das Ende der Geschichte."

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