FTD.de » Meinung » Kolumnen » Thomas Klau - Mit Hightech in die Krise

Merken   Drucken   11.02.2009, 18:04 Schriftgröße: AAA

Kolumne: Thomas Klau - Mit Hightech in die Krise  

Eine Ursache des Crashs liegt im technologischen Fortschritt. Die Gesellschaft hat darin versagt, Dimension und Folgen der IT-Revolution zu begreifen. Das nächste Opfer könnten die Medien sein. von Thomas Klau
Hemmungslose Gier, hyperaktive staatliche Deregulierung, passive staatliche Aufsicht, eine falsche globale Verteilung von Angebot und Nachfrage - das sind die Phänomene, die als Ursachen für diese Weltwirtschaftskrise am häufigsten genannt werden. Es gibt eine andere Lesart, die in der Diskussion bisher nur gestreift wird und es verdient, viel stärker in den Mittelpunkt gerückt zu werden: Was der Welt widerfährt, ist primär Folge der Unterschätzung und mangelnden Beherrschung der technologischen Revolution.
Die Spekulationsorgie, der die Finanzwelt in den vergangenen Jahren frönte und deren Big-Bang-Ende jetzt eine Wohlstandsvernichtung seltenen Ausmaßes zur Folge hat, wäre nicht möglich gewesen ohne den vorhergehenden Big Bang in der Informationstechnologie. Erst Entwicklungen in der IT haben die Spekulationsmodelle möglich gemacht, die auf statistischen Durchschnittswerten beruhen. Die Komplexität dieser Modelle übertraf das Fassungs- und Urteilsvermögen der Führungsetagen der Banken. Und mit ihrer Hebelwirkung konnten sie sowohl gigantische Profite wie gigantischere Verluste erzeugen. Sowohl Deregulierung als auch weltweite makroökonomische Ungleichgewichte haben ihr zerstörerisches Potenzial erst dank der IT voll entfalten können.
Naives Staunen
Die Finanzeliten wie die Aufsichtsbehörden und Gesetzgeber haben in den letzten 15 Jahren verkannt, dass der hoch gepriesene technische Fortschritt neben Chancen auch ein komplett neues Risikopotenzial schuf. Man kann die Krise auch als Kollektivversagen einer mit dem Füllfederhalter aufgewachsenen Führungsgeneration vor einer neuen Technologie lesen, deren Management ein paar sehr jungen Experten überlassen wurde. Wir haben alle hingeguckt und gestaunt. Manche fanden das neue Spielzeug gut, andere oft lästig. Verstanden haben wir das, was wir da sahen, nicht.
Jetzt, wo es zu spät ist, wird die ungeheure Zerstörungskraft der technologischen Revolution in der Finanzwirtschaft und damit in der Realwirtschaft offenkundig. Unterschätzt wird die technologische Revolution in ihrer Gänze aber noch immer. Wir haben zu spät erkannt, dass die IT die Spielregeln des Finanzmarkts und damit der Wirtschaft samt ihrer Aufsicht und Regulierung radikal verändert hat. Ebenso radikal verändert sie die Spielregeln der Informationsübermittlung in der Demokratie.
Bisher wurde dieser Prozess als Befreiung von den Monopolen der etablierten Informationsvermittlung erlebt und beschrieben, also der Magazine, der Tageszeitungen, des Fernsehens, der Nachrichtenagenturen. So falsch es im Rückblick war, die Auswirkungen der IT-Revolution auf die Finanzwirtschaft blindlings als positiven Befreiungsprozess zu sehen, so falsch und unverantwortlich ist es jetzt, diese Haltung im Bereich der politischen Informationsermittlung einzunehmen.
IT revolutioniert die Grundlagen der Medienwirtschaft, und es wäre fatal, wenn wir in einigen Jahren zu dem Schluss kommen, wir hätten die Folgen dieser Revolution ebenso verschlafen, wie wir die Folgen des Big Bang in der Finanzwirtschaft verkannt haben. Es geht hier nicht nur um die bedrängten Zeitungen, die mit den Agenturen noch immer den überwältigenden Teil der seriösen Nachrichten produzieren, die im Internet verfügbar sind. Es geht auch um das Medium Buch, das von der Digitalisierung der Bibliotheken in seiner kommerziellen Dimension massiv betroffen ist. Und um andere Informations- und Kulturgüter wie Film oder Musik.
  • Aus der FTD vom 12.02.2009
    © 2009 Financial Times Deutschland,
Jetzt bewerten
Bookmarken   Drucken   Senden   Leserbrief schreiben   Fehler melden  
  24.06.2009 Pressestimmen "Beim Thema Afghanistan Tacheles reden"  
Pressestimmen: "Beim Thema Afghanistan Tacheles reden"

Der Tod dreier Soldaten im Kundus gibt Anlass zu neuen Diskussionen über den Bundeswehreinsatz in Afghanistan. Verteidigungsmininister Jung will nicht von Krieg sprechen. Die Kommentatoren der deutschen Tageszeitungen fordern klare Stellungnahmen der Politik. mehr

 



Die FTD-Personendatenbank
 


  11:10 Zahlreiche Unfälle auf Chinas glatten Straßen
Vermischtes: Zahlreiche Unfälle auf Chinas glatten Straßen ...

Das eisige Winterwetter dieser Tage hält nicht nur Europa fest im Griff, sondern auch Teile Asiens. Im Südwesten Chinas kam es aufgrund der glatten Straßen zu zahlreichen Unfällen. mehr

Mehr zu: Autounfall, China

 
© 1999 - 2012 Financial Times Deutschland
Aktuelle Nachrichten über Wirtschaft, Politik, Finanzen und Börsen

Börsen- und Finanzmarktdaten:
Bereitstellung der Kurs- und Marktinformationen erfolgt durch die Interactive Data Managed Solutions AG. Es wird keine Haftung für die Richtigkeit der Angaben übernommen!

Über FTD.de | Impressum | Datenschutz | Disclaimer | Mediadaten | E-Mail an FTD | Sitemap | Hilfe | Archiv
Mit ICRA gekennzeichnet

VW | Siemens | Apple | Gold | MBA | Business English | IQ-Test | Gehaltsrechner | Festgeld-Vergleich | Erbschaftssteuer
G+J Glossar
Partner-Angebote