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Merken   Drucken   22.04.2009, 18:54 Schriftgröße: AAA

Kolumne: Thomas Klau - Zweierlei Seeräuber  

Der Westen rüstet auf gegen Piraten. Der gewaltige Raub an somalischen Fischern durch Europäer und Asiaten lässt die internationale Gemeinschaft dagegen ungerührt - ein Skandal. von Thomas Klau
Die starke Zunahme von Schiffsentführungen vor der somalischen Küste hat die Bekämpfung der Piraterie ganz oben auf die Prioritätenliste von Staats- und Regierungschefs rund um die Welt gesetzt. Man streitet darüber, was mit gefangen genommenen Piraten geschehen soll und wo sie vor Gericht zu stellen sind. Man sucht nach Wegen, die internationale Flotte in dem riesigen Seegebiet - größer als das Mittelmeer - zu verstärken. Man diskutiert, ob Militäraktionen zu Land oder Luft gegen Piratenstützpunkte an der somalischen Küste Erfolg versprechend sein könnten. Und man rätselt, wie der seit Jahrzehnten von Bürgerkrieg total zerrüttete somalische Staat in den Kampf gegen das Seeräubertum eingebunden werden könnte.
Für die Politik entsteht die Schwierigkeit des Problems zum Teil aus der spektakulären Dimension der Piraterie. Sie resultiert aus der Spannung zwischen den enorm hohen Kosten einer militärischen Sicherung des gefährdeten Seegebiets und den bisher deutlich geringeren realen Kosten des Seeräubertums für Seeschifffahrt und Versicherer. Sie erklärt sich aber auch aus der diplomatischen und juristischen Komplexität eines Problems, das die Marinemächte der Welt wie kein anderes zur Kooperation treibt und die globale Gemeinschaft vor Rechtsprobleme stellt, die in der jüngeren Geschichte in dieser Form präzedenzlos sind.
Die Niederländer haben gefangene Seeräuber wieder freigelassen und damit internationalen Protest geerntet. Franzosen und Amerikaner werden bald die ersten Prozesse gegen gefangene Somalis eröffnen. Der Gedanke, dass es in Ordnung ist, mit den Piraten kurzen Prozess zu machen, um gekaperte Schiffe und deren Besatzungen zu befreien, gewinnt international zunehmend Legitimität - obwohl die meisten Seeräuber klug oder human genug waren, ihre Opfer relativ anständig zu behandeln.
300 Mio. Euro Beute
Der finanzielle Erfolg der Seeräuberei durch die Erpressung von Lösegeld hat allerdings deren Charakter geändert und die Piraten und ihre Bekämpfung aggressiver gemacht. Die Zeit der vergleichsweise unblutigen Seewegelagerei vor Somalia ist womöglich vorbei.

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