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Kommt Ihnen das irgendwie bekannt vor? Sommerschlussverkauf ist angesagt! Doch was sonst zu dieser Zeit nur für Bügelbikinis, Cargohosen und Kochtopfserien gilt, trifft nun auch auf Banken aller Größen zu: Sie sind so billig wie nie. Die Bundesregierung verramscht die Mittelstandsbank IKB für geschätzte 100 Mio. Euro an die Beteiligungsgesellschaft Lone Star. In München sichert sich JC Flowers knapp 25 Prozent am Hypo-Real-Estate-Grabbeltisch. Vollkommen absurd geht es in New York zu. Lehman-Brothers-Vorstandschef Richard Fuld stellt erst das Gewerbeimmobilienportfolio, dann die Vermögensverwaltung Neuberger Berman und schließlich die Hälfte der gesamten Bank zur Disposition. Die Koreaner, früher noch als Billigheimer gescholten, prüfen, ob sie zuschlagen sollen. Bei "made in USA" ist man halt nicht mehr sicher, nicht wahr?
Aus der einst elitären Finanzwelt scheint eine schnöde Kaufhof- und C&A-Filiale geworden zu sein. Das Besorgniserregende daran: Aus Furcht vor dem Kollaps verkaufen die Banken ihre Zukunft. Nicht nur, weil sie ertragsstarke Sparten abspalten. Sondern auch, weil sich Staatsfonds und Private-Equity-Unternehmen zu lächerlichen Konditionen Einfluss und damit auch Macht sichern. Das kann gefährlich werden.
Investoren gucken in die Röhre
Wie weit der Ausverkauf vorangeschritten ist, lässt sich aus dem Volumen sogenannter Pipe-Transaktionen schließen. "Pipe" heißt in diesem Fall nicht "Röhre", sondern steht für "Private Investment in Public Equity". Dabei handelt es sich um Privatplatzierungen in börsennotierte Unternehmen. In den USA sind sie bereits seit Jahren verbreitet. Maßgebliche Vorschrift ist die Section 4(2) des Securities Act. Diese ermöglicht es den Firmen, schnell an Kapital zu kommen. Davon machten früher namhafte Perlen der Wirtschaft wie XO Communications, Keryx Biopharmaceuticals und Durect Gebrauch. Generell galt: Wem es nicht so gut geht, der hofft auf eine Pipe. Nicht immer ging das gut aus. Einige Pipe-Investoren sicherten sich bei fallenden Kursen ein Recht auf zusätzliche Aktien, was häufig zu Leerverkäufen verleitete. Nicht zu Unrecht trugen solche Konstruktionen die Bezeichnung Todesspirale.
Heutzutage sind Pipe-Transaktionen wieder beliebt. Der Unterschied: Nicht mehr XO Communications, sondern Unternehmen der Kategorie Citigroup, Merrill Lynch, Washington Mutual und National City stehen Schlange. Seit Jahresbeginn liegt das Volumen laut dem Placement Tracker von Sagient Research bei 77,65 Mrd. $. Zum Vergleich: 2006 waren es im Gesamtjahr nicht einmal 30 Mrd. $.
Was sich nicht geändert hat, sind die obszönen Konditionen für die auserwählten Investoren. Beispiel Merrill Lynch: Bei der Emission vom 15. Januar räumte die US-Bank der Korean Investment Corporation, der Kuwait Investment Authority und anderen mit der Wandelanleihe einen Zinssatz von satten neun Prozent ein. Das Besondere: Alle Zins- und Dividendenzahlungen erfolgen als "Payment in Kind", also in Form weiterer Aktien. Das schont die Barmittel, verwässert aber den Rest der Aktionäre.