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Merken   Drucken   15.06.2009, 19:11 Schriftgröße: AAA

Kolumne: Tobias Bayer - Willkommen in der Prä-Lehman-Welt  

Anleger jubeln über die jüngste Börsenrally, Regierungen debattieren über das Ende der Staatshilfen. Das ist jedoch voreilig, die Realität sieht anders aus. von Tobias Bayer
Erinnern Sie sich noch an Lehman Brothers? Das war die Investmentbank, die im September 2008 zusammenbrach. Ein "Jahrhundertfehler" der US-Behörden sei die Pleite gewesen, titelten die Gazetten. Ein Fauxpas, der das Tor zur Hölle, womöglich zur zweiten Großen Depression geöffnet habe. Heute, ganze neun Monate später, liest man in den Agenturen Folgendes: "Lehman will Möbel von Barclays zurückkaufen." Das epochale Ereignis findet inzwischen nicht mehr auf Seite eins, sondern in der Rubrik "Vermischtes" statt.
Der Kapitalmarkt ist zu seinem Prä-Lehman-Zustand zurückgekehrt. Vergangene Woche machte der Dow Jones nach einer Rally von mehr als 34 Prozent seit Mitte März seinen Jahresverlust wett. Stressindikatoren wie die Interbankenrate Libor und der Libor-OIS-Spread - die Differenz zwischen den Refinanzierungskosten der Banken und denen des Staates - liegen mittlerweile auf dem Niveau von September 2008 und früher. Die Anleger entdecken die Lust am großen Risiko wieder. "Perlen" der Unternehmenswelt wie die hoch verschuldeten Kasinobetreiber MGM Mirage oder Harrah's platzierten im Mai problemlos Anleihen in Europa.
Die Politik gibt in diesem Umfeld dem ihr eh schon innewohnenden Hang zur Amnesie nach. Das beherrschende Thema lautet derzeit: Wie sieht unsere Exitstrategie aus? Wie können wir uns nach Milliardenhilfen möglichst geräuschlos zurückziehen? Das mag zwar eine berechtigte Frage und ein löbliches Ansinnen sein. Das Problem dabei ist nur: Die Krise ist noch lange nicht ausgestanden. Die Rückfallgefahr ist gewaltig.

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