Lohnstückkosten im internationalen Vergleich
Wofür streikt die IG Metall in Ostdeutschland? Vermutlich um die Konkurrenz zu den überhöhten Löhnen und zur kurzen Arbeitszeit im Westen auszuschalten. Jeder noch so kleine Aufschwung im Osten zu anderen Konditionen bedroht aus ihrer Sicht die Errungenschaften im Westen. Damit ist dieser Streik zynisch. Den Ostdeutschen, die von ihren West-Kollegen quasi ausgesperrt werden, schadet er nur, weil er Arbeitsplätze vernichten wird. Nutzen tut er allenfalls den Besitzstandswahrern im Westen, und auch das nur kurzfristig.
Natürlich gibt die IG Metall nicht zu, dass dies der wahre Streikgrund ist. Sie führt offiziell zwei Argumente ins Feld. Erstens sei es 13 Jahre nach der Wiedervereinigung nur fair, wenn der Osten endlich in den Genuss der 35-Stunden-Woche käme. Und zweitens seien die Lohnkosten pro Stunde, die dadurch steigen, kein Problem, da es nicht auf die absoluten Löhne, sondern auf die Lohnstückkosten ankomme, die angeblich international wettbewerbsfähig sind. Beide Argumente sind hanebüchen falsch. Auf ihrer Grundlage einen solchen Streik zu führen ist verantwortungslos und leichtsinnig, es grenzt an Sabotage.
Das erste Argument - Gerechtigkeit nach 13 Jahren - ist ökonomisch wertlos. Ob und wann der Osten zum Westen aufschließen kann, ist keine Frage von Jahren, sondern hängt von der wirtschaftlichen Leistungskraft ab. Vielleicht wird es 30 Jahre dauern, bis Ostdeutschland das westdeutsche Produktivitätsniveau erreicht, vielleicht gar 40 oder 50 Jahre, eventuell gelingt es nie. Löhne und Arbeitszeit im Osten müssen Schritt mit der eigenen Produktivität halten, nicht mit Vergleichszahlen im Westen. Dass die IG Metall dies ignoriert und stattdessen Irrlehren verbreitet, schwächt ihren Stand als ernst zu nehmender Gesprächspartner weiter.