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Merken   Drucken   18.12.2007, 19:18 Schriftgröße: AAA

Kolumne: Wolfgang Münchau: Am Ende haftet der Staat  

Die Kreditkrise wird letztlich Garantien der öffentlichen Hand für Banken nach sich ziehen. Es sieht mittlerweile so aus, als entwickele sich die Kreditmarktkrise zu einer der größeren Finanzkrisen der Geschichte mit Folgen für das globale Finanzsystem und für die Weltwirtschaft insgesamt. von Wolfgang Münchau
Deutschland wird wahrscheinlich eine Rezession vermeiden, vielleicht auch der Euro-Raum als Ganzes. Aber den USA, Großbritannien, Spanien und einigen anderen Ländern droht ein Absturz. Die herkömmlichen Mittel der Geld- und Fiskalpolitik - Zinssenkungen, Ausgabenerhöhungen und/oder Steuersenkungen - werden nicht ausreichen, um diese Krise zu bewältigen. Auch die ausgefeilten Liquiditätsoperationen der Zentralbanken lösen das Problem nicht.
Der Grund dafür liegt in der Natur dieser Krise. Der Kreditkanal, einer der wichtigsten der Geldpolitik, ist chronisch beschädigt. Selbst wenn Zentralbanken noch so viel Liquidität in das System hineinpumpen und selbst wenn sie die Zinsen senken sollten, wird die akute Verstopfung des Kanals nicht aufgelöst. Der Grund dieser Verstopfung ist Insolvenz, nicht fehlende Liquidität. Einer Bank fehlt es an Liquidität, wenn sie nicht genügend flüssige Mittel hat, um ihre Forderungen zu begleichen. Eine Bank ist insolvent, wenn sie illiquide ist und darüber hinaus ein negatives Gesamtvermögen hat. Das Problem fehlender Liquidität lässt sich durch Überbrückungskredite lösen. Insolvenz hingegen führt entweder zum Konkurs, zur Übernahme oder zur staatlichen Rettung.
Eine große Anzahl von Kreditinstituten und Investmentgesellschaften, die jetzt auf den zweifelhaften Produkten der Kreditmärkte sitzen, sind effektiv insolvent. Wir wissen es nicht genau, denn die Produkte sind nicht bewertet. Wir vermuten daher das Schlimmste - dass viele dieser Papiere heute nur noch Schrott wert sind, selbst wenn sie das "AAA"-Gütesiegel einer Ratingagentur genießen. Einige Banken warten daher auch darauf, dass sich der Kreditmarkt wieder erholt, sodass der Verdacht der Insolvenz aus dem Weg geräumt ist. Das wird sich voraussichtlich als Irrglaube erweisen.
Ende der Immobilienkrise nicht in Sicht
Solange der Kreditmarkt nicht wieder in Gang kommt, bleibt uns diese Krise erhalten. Eine der Mindestvoraussetzungen für eine Trendwende wäre ein Ende der Immobilienkrise, das nicht abzusehen ist. Im Gegenteil, es ist sehr wahrscheinlich, dass die USA, Großbritannien und andere Länder vor einem rasanten Fall der Immobilienpreise stehen. Wie wir es in Japan Anfang der 90er-Jahre erlebt haben, dauern derartige Anpassungsprozesse sehr lange.

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