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Merken   Drucken   24.02.2009, 18:40 Schriftgröße: AAA

Kolumne: Wolfgang Münchau - Aussitzen geht nicht  

Um den Teufelskreis von Finanz- und Wirtschaftskrise zu brechen, braucht Deutschland politische Führung. Das Land verträgt keine unsichtbaren Moderatorinnen und großmäuligen Sprücheklopfer in der Politik. von Wolfgang Münchau
Wir haben jetzt die nächste Phase der Krise erreicht, und mittlerweile sieht es so aus, als würde die Bundesregierung zum ersten Mal überhaupt den Ernst der Lage erkennen. So jedenfalls deute ich die Hinweise aus Berlin, dass man sich um die Zukunft des Euro-Raums Sorgen macht und dass man im Prinzip bereit ist, Staaten in Finanzschwierigkeiten zu Hilfe zu kommen.
Es besteht tatsächlich die Gefahr, dass der europäische Währungsraum auseinanderfliegt - mit absolut katastrophalen Folgen für Wirtschaft und Gesellschaft. Die Aktienmärkte pendeln sich mittlerweile auf Depressionsniveau ein. Ich hoffe, dass die Große Koalition jetzt nicht wieder ultrakurzsichtig handelt, so wie im Herbst, als sie ein Bankenrettungspaket beschloss, mit dem sie sich gerade einmal über die folgenden drei Monate rettete.
Die Politik kann diese Krise nicht aussitzen. Deutschland braucht jetzt politische Führung - und keine überforderten Moderatorinnen und großmäuligen Sprücheklopfer.
Momentan befinden wir uns immer noch mitten in einem Teufelskreis aus Finanz- und Wirtschaftskrise. Die Kreditklemme, von der mittlerweile selbst Jean-Claude Trichet , der Chef der Europäischen Zentralbank, spricht, reißt die Wirtschaft nach unten. Und die schlechten Wirtschaftsaussichten verhindern eine Erholung des Finanzsektors. Ohne das Eingreifen der Politik wird dieser Teufelskreis irgendwann sein natürliches Ende finden - vielleicht, wenn die gesamte Wirtschaft um 20 oder 30 Prozent geschrumpft sein wird. Keiner weiß im Voraus, wann dieser Punkt erreicht sein wird. Wachstum nicht vor 2010
Anfang Dezember hatte ich zum Schock einiger Leser für das Jahr 2009 eine Wachstumsrate von minus zwei bis minus vier Prozent prognostiziert. In dieser Woche korrigierte Norbert Walter  von der Deutschen Bank  seine ebenfalls pessimistische Prognose in derselben Größenordnung auf minus fünf herunter. Ich bin zwar kein Freund von Punktgenauigkeit bei Prognosen, halte aber seine Prognose für plausibel. Ich selbst schätze jetzt eine Bandbreite von minus vier bis minus sechs Prozent für dieses Jahr.
Diese Prognose unterstellt nicht viel mehr, als wir ohnehin schon wissen: Nach dem dramatischen Einbruch im vierten Quartal 2008 gehe ich von einem weiteren Absacken in ähnlicher Größenordnung im ersten Quartal 2009 aus, ebenso im zweiten. Weder Konjunkturprogramme noch Zinspolitik werden bis zum Sommer greifen, weder hier noch in den USA. In den Quartalen drei und vier erwarte ich einen leichteren Verfall oder Stagnation. Positive Wachstumsraten sind irgendwann im Jahr 2010 zu erwarten, und auch nur dann, wenn wir jetzt keine katastrophalen Fehler machen.
  • Aus der FTD vom 25.02.2009
    © 2009 Financial Times Deutschland,
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