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Merken   Drucken   08.01.2008, 19:57 Schriftgröße: AAA

Kolumne: Wolfgang Münchau: Ein letztes gutes Jahr  

Das deutsche Konjunkturmärchen wird 2009 enden. Schuld daran ist auch der politische Linksrutsch. Aber nicht allein. von Wolfgang Münchau
Trotz des drohenden Absturzes der US-Wirtschaft kann Deutschland dieses Jahr noch auf eine recht ordentliche Wachstumsrate hoffen. Unter internationalen Investoren ist Deutschland momentan wieder beliebt. Überall auf der Welt wird das Land gepriesen, wegen seiner Reformen, seiner starken Industrie, seiner Lohnzurückhaltung. Der Dax ist zum Teil auch deswegen so stark, weil gerade ausländische Investoren Deutschland übergewichtet haben.
Nur sollte man sich darüber im Klaren sein, dass derartige Stimmungen meist längst verflossene Ereignisse reflektieren. Die globalen Finanzmärkte haben voll und ganz die Sichtweise verinnerlicht, wonach der deutsche Aufschwung das Resultat harter Reformen war. Was sich in Deutschland seit dem Antritt der Großen Koalition abspielt, ist weitgehend unbekannt. Dabei ist seither nicht nur Schluss mit den großen Reformen. Schlimmer noch: Die schwarz-rote Regierung treibt Deutschland in vielen Feldern rückwärts - egal ob mit Mindestlöhnen oder mit Korrekturen bei Hartz IV.
Die nächsten Bundestagswahlen werden den überall sichtbaren Linksruck eher noch erhöhen. Wahrscheinlich kommt es entweder zu einer Fortsetzung der Großen Koalition oder einem kleinen Dreierbündnis mit deutlich linker Mehrheit (Rot-Rot-Grün oder Ampel). Langfristig - das heißt über die Legislaturperiode hinaus - wird die deutsche Politik das Wachstum beeinträchtigen. Irgendwann einmal wird sich dann auch die Stimmung bei den internationalen Investoren ändern. Und dann ist Schluss mit der ökonomischen Erfolgsspirale, die fast zeitgleich mit Angela Merkels Wahl zur Bundeskanzlerin im Spätherbst 2005 eingesetzt hat.
Von der Erfolgsspirale zum Teufelskreis
So optimistisch meine Prognosen für Deutschland in diesem Jahr sind, so pessimistisch bin ich in Bezug auf den langfristigen Ausblick. Das neue deutsche Wirtschaftswunder, das einige Ökonomen so begeistert gefeiert haben, ist nicht mehr als ein etwas spät eingetretener zyklischer Boom nach altem Muster: Aus einer langen Durststrecke folgen höhere Arbeitslosigkeit und Lohnzurückhaltung. Das wiederum setzt einen Exportboom in Gang, der sich in höheren Investitionen daheim niederschlägt. Das ist das Wirtschaftsmodell kleiner, offener Volkswirtschaften. Nicht das Erfolgsmodell der drittgrößten Volkswirtschaft der Welt.

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