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Merken   Drucken   15.04.2008, 17:43 Schriftgröße: AAA

Kolumne: Wolfgang Münchau: Ende einer Doktrin  

Mitten in der Diskussion um die Schuld für die Finanzkrise könnte diese noch ein weiteres Opfer fordern: den Neukeynesianismus, die Irrlehre der heutigen Geldpolitik. von Wolfgang Münchau
Wer ist schuld an dieser größten Finanzkrise aller Zeiten? Das Financial Stability Forum (FSF), eine Gruppe von Notenbankern, hat eine bequeme Antwort parat: Nicht wir sind schuld, sondern die anderen - die Banken natürlich, die Regulierer, die Ratingagenturen. Angeblich stand beim jüngsten Treffen des FSF alles zur Debatte, nur ein Thema wurde konsequent ausgespart: die Frage, ob die Notenbanker selbst diese Krise verursacht haben könnten.
Selbstkritik zählt nicht zu den überragenden Fähigkeiten eines Notenbankers. Auch die öffentliche Kritik an Kollegen gehört nicht zum guten Ton. Dass sich der frühere Chef der US-Notenbank Alan Greenspan keiner Schuld bewusst ist, wie er kürzlich auf diesen Seiten schrieb, überrascht nicht. Dass sich aber die sieben wichtigsten Industriestaaten G7 oder der Internationale Währungsfonds nicht einmal mit der Rolle der Geldpolitik in der aktuellen Krise beschäftigen, ist ein kapitaler Fehler.
Hochinteressant ist, dass die Notenbanker derzeit gerade von linken Ökonomen Schützenhilfe bekommen. Das hat im Wesentlichen zwei Gründe. Der erste ist offensichtlich: Wenn zu niedrige Zinsen Ursache der Misere sein sollten, müssten die Zentralbanken in Zukunft vorsichtiger mit dem Zinsinstrument umgehen als bisher - was genau das Gegenteil dessen ist, was die Linken seit eh und je propagieren.

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