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Merken   Drucken   04.12.2007, 19:35 Schriftgröße: AAA

Kolumne: Wolfgang Münchau: Entzauberung einer Zentralbank  

Die Europäische Zentralbank wird einknicken. Dafür, dass die Notenbank von ihrem Ziel der Preisstabilität abrückt, sprechen mehrere Gründe. von Wolfgang Münchau
Die Inflation im Euro-Raum steht jetzt bei drei Prozent. Die ökonomische Theorie sagt, man sollte diese Zahl ignorieren. Denn die Inflation ist nur deswegen so hoch, weil Öl und andere Preise derzeit besonders volatil sind. Das Einzige, was zählt, sind die langfristigen Inflationserwartungen. Solange diese fest verankert sind, brauche man sich über kurzfristige Schocks nicht zu sorgen.
Die Theorie stimmt, und deshalb mache ich mir Sorgen. Mir ist es egal, ob die Inflation im November eine Drei vor dem Komma hatte oder nicht. Mich interessieren die langfristigen Inflationserwartungen. Ich glaube, dass wir gerade dabei sind, diese fest verankerten Erwartungen zu erhöhen. Ein Symptom dieser Entwicklung ist der Anstieg der Lohnforderungen, nicht nur in Deutschland, sondern sogar in Ländern wie Finnland, wo Krankenschwestern in einem harten Arbeitskampf eine massive zweistellige Lohnerhöhung erzwungen haben.
Im Gegensatz zu den meisten konservativen deutschen Kommentatoren habe ich keine moralischen Bedenken gegen Gehaltserhöhungen - auch nicht gegen "unvernünftige". Ich habe auch nichts gegen Lohnsenkungen. Der Lohn ist ein Preis, der auf Signale reagiert. In den letzten Jahren gab es gute Gründe für eine moderate Lohnentwicklung in Deutschland. Jetzt gibt es gute Gründe für eine entgegengesetzte Entwicklung. Ich halte das für weder gut noch schlecht. Mein Verhältnis zum Arbeitsmarkt ist das des Entomologen zum Insekt.

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