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Merken   Drucken   03.03.2009, 17:42 Schriftgröße: AAA

Kolumne: Wolfgang Münchau - Gute Pleitefahrt  

Es gibt keinen vernünftigen Grund, warum die europäischen Regierungen Opel retten sollten. Wer will, dass VW und Peugeot auch künftig erfolgreich sind, sollte den Hersteller untergehen lassen. von Wolfgang Münchau
Vielleicht kennen Sie dieses Gefühl auch. Sie haben einen Wagen bei einer Autovermietung gebucht, einen VW , Mercedes oder BMW . Am Schalter sagt eine freundliche Mitarbeiterin der Mietwagenfirma mit einem Lächeln, das gewünschte Modell sei zwar leider nicht da, aber nun, Gott sei Dank, man habe noch einen Opel in der Ecke stehen. Ich denke in solchen Momenten, ob ich mir da lieber ein Fahrrad mieten soll. Aber meistens beiße ich die Zähne zusammen und fahre eben, nun ja, den Opel.
Aus Liebe zum Produkt jedenfalls gibt es keinen Grund, Opel zu retten. Zwar habe ich anders als die ordoliberalen Orthodoxen keine grundsätzliche Abneigung gegen industriepolitische Rettungsaktionen. Wenn uns in Deutschland mit einer Pleite des Autobauers eine Spitzentechnologie verloren ginge, wäre eine staatliche Rettung vielleicht gerechtfertigt. Oder sogar, wenn die Schließung derart katastrophale regionale oder sektorale Folgen hätte. Aber keiner dieser Gründe trifft auf Opel zu.
Natürlich gibt es politische Gründe für eine Hilfsaktion des Staates, aber die stimmen letztlich auch nicht so richtig. Kurzfristige Denker wie SPD-Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier  versprechen Hilfe, um sich als Retter der kleinen Leute zu profilieren. Bei dem Baukonzern Holzmann hat diese Strategie vor zehn Jahren schließlich auch funktioniert. Ich glaube nur, dass dieses Kalkül nicht aufgeht. Viele Leute wissen genau, dass Steinmeier zwar Opel retten mag, aber nicht ihre Arbeitsplätze bei anderen Unternehmen. Von diesen Leuten gibt es mehr als die nicht einmal 30.000 Opel-Mitarbeiter, und sie werden sich zu Recht über diese Ungleichbehandlung beschweren.
Weg mit den Überkapazitäten
Auch aus ökonomischer Sicht gibt es keinen guten Grund für eine Rettung. Wir erleben gerade einen extremen Konjunkturabschwung, der in Europa allgemein und in Deutschland ganz besonders zu enormen industriellen Überkapazitäten geführt hat. Wenn eine Regierung hier helfen will, dann sollte sie mit kurzfristig wirkenden Konjunkturpaketen den Einbruch der Nachfrage abfedern. Sie sollte aber auf keinen Fall den Anpassungsprozess in den Gütermärkten verlangsamen. Genau das passiert aber, wenn sie Opel rettet.
Zu einem Wirtschaftsaufschwung kommt es nicht automatisch. Da laufen in der Wirtschaft viele Dinge gleichzeitig ab, die einander verstärken. Damit die Industrien wieder anfangen zu investieren, müssen alte Überkapazitäten abgebaut sein. Im Autosektor sind diese Überkapazitäten momentan enorm hoch. Der Austritt einer oder mehrerer großen Automobilmarken aus dem Markt stellt zwar eine extreme Form eines Anpassungsprozesses dar, aber wir erleben momentan auch eine extreme Absatzkrise. Ich bin ebenfalls nicht sicher, ob die beiden großen französischen und der führende italienische Automobilbauer unabhängig bleiben sollen oder ob es da nicht auch Raum für Zusammenschlüsse und den Abbau von Kapazitäten auf europäischer Ebene gibt.
  • Aus der FTD vom 04.03.2009
    © 2009 Financial Times Deutschland,
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