Fannie Mae und Freddie Mac. Die Namen hören sich an wie der Titel eines Musicals. Dabei ist Fannie eines der zehn größten Unternehmen der Welt. Die Kreditkrise hat jetzt diese beiden Riesen des amerikanischen Hypothekenmarkts erfasst und damit erneut eine bedrohliche Schwelle überschritten.
Am Wochenende wurde bekannt, dass die US-Regierung die Garantien für die beiden Institute übernimmt. Letztendlich führt dies mit großer Wahrscheinlichkeit zu ihrer Renationalisierung. Fannie wurde in den 30er-Jahren als staatliches Unternehmen gegründet, um amerikanische Hypotheken abzusichern. Während der Großen Depression erlitten viele Hypothekenbanken den Bankrott, weil die Hausbesitzer ihre Hypotheken nicht zurückbezahlen konnten. Fannie Mae war eine Art Käufer der letzten Instanz von Hypotheken, ein Auffangbecken für marode Banken und indirekt damit auch eine Absicherung für die Hauseigentümer.
Ansteckende Wirkung
In den späten 60er-Jahren wurde Fannie Mae privatisiert, zugleich bekam sie mit Freddie Mac einen Konkurrenten. Zu dieser Zeit begann man, Hauskredite zu verbriefen, die später als Mortgage Backed Securities gehandelt wurden: Man nehme einen Haufen Kredite, wandle sie in Wertpapiere mit unterschiedlichen Risikokategorien um und reiche sie weiter. So refinanzierte man die Hypothek am Finanzmarkt und schuf einen liquiden Markt für Hypotheken.
Fannie und Freddie sind aber keine normalen privaten Unternehmen. Sie gelten als "government-sponsored", was so viel heißt wie "von der Regierung unterstützt". In der Praxis bedeutet das: Sie besaßen de facto eine Garantie des amerikanischen Staates. Und genau so ist es gekommen. Die amerikanische Regierung hat sich jetzt bereit erklärt, die beiden durch Kredite und unbegrenzte Kapitaleinlagen bis hin zur Verstaatlichung am Leben zu erhalten.
Die Ereignisse vom Wochenende zeigen, wie hochgradig ansteckend die Kreditkrise geworden ist. Fannie und Freddie haben nämlich gar nichts mit der Subprime-Krise zu tun. Im Gegenteil: Beide spielen nur in den seriösesten Segmenten des US-Hypothekenmarkts. Der Grund für die De-facto-Pleite dieser beiden Hypotheken-Riesen liegt im Verfall der Häuserpreise. Viele Hausbesitzer sind nicht mehr in der Lage, die Schulden abzubezahlen. In einigen Fällen könnten sie es, wollen es aber nicht. Wenn ein Schuldner seinen Verpflichtungen nicht nachkommt, kann nach dem Recht vieler US-Bundesstaaten die Bank nur das Haus zurückfordern, aber nicht mehr. Wenn Hauspreise nun um 20 oder 30 Prozent fallen, wie zum Beispiel in Kalifornien, dann fällt in vielen Fällen der Wert des Hauses unter die Hypothekenschuld. Da ist es nur logisch, wenn der Hauseigentümer seinen Hausschlüssel an die Bank zurückschickt. Er ist dann zwar sein Haus los - die Bank hat aber den schwarzen Peter.
Das Erschreckende dabei ist, dass der Verfall der Hauspreise noch längst nicht zu Ende ist. Man kann verschiedene Metriken zu Rate ziehen - den langfristigen Trend bei den realen Hauspreisen; das Verhältnis von Hauspreis und Mieten; das Verhältnis von Hypotheken zu Einkommen; oder das Inventar neuer noch nicht verkaufter Häuser. Egal, welches dieser Maße man ansetzt: Man kommt immer zu demselben Schluss. In den USA liegt der gesamte Korrekturbedarf von der Spitze des Marktes aus gesehen bei über 30 Prozent. Inflationsbereinigt sind es sogar weit über 40 Prozent. Wir sind bisher ungefähr knapp auf der Hälfte angelangt: Der reale Hauspreisverfall beläuft sich auf über 20 Prozent.