Er ist langsamer, und er ist gewaltiger.
In den Kreditmärkten werden teils sehr komplizierte Wertpapiere gehandelt, deren Grundlage ein Pool an Krediten ist. Der berühmte US-Investor Warren Buffett verglich einige dieser Instrumente mit Massenvernichtungswaffen. Die Zockerei, die in diesen Märkten zuletzt zu beobachten war, ist manchmal unglaublich.
Jetzt sind jene Märkte dabei einzubrechen. Der Kollaps der IKB Deutsche Industriebank ist eines von mehreren Signalen, dass der Crash Stufe eins erreicht hat. Andere Zeichen sind die periodischen Panikattacken der Märkte in den letzten Wochen. Auch die Tatsache, dass mindestens zwei Hedge-Fonds des US-Brokers Bear Stearns in Schwierigkeiten sind, ist ein Signal.
Ein Crash des Kreditmarkts ist weit schlimmer als ein Aktienkollaps. Wenn die Aktien krachen, verliert man Vermögen. Wenn der Kreditmarkt kracht, geht eine Bank pleite, ein Hedge-Fonds, eine weitere Bank, eventuell sogar eine Zentralbank. Wenn der Kreditmarkt kracht, wird es für Unternehmer und Privatleute schwieriger, Kredite zu erhalten. Das Private-Equity- und Venture-Capital-Geschäft trocknet aus.
Damit sind auch die volkswirtschaftlichen Auswirkungen eines Kreditcrashs unangenehmer. Was genau bei einem Crash im Kreditmarkt passiert, weiß aber niemand. Denn dieser Markt ist noch nie zusammengebrochen.
Natürlich gab es auch in der Vergangenheit Kreditzyklen, aber ein Abschwung bedeutete meist nicht mehr als einen kurzfristigen Rückgang an Krediten. An diesem Punkt sind wir jetzt schon. Die Private-Equity-Branche hat gewarnt, dass es über mehrere Monate kein frisches Geld mehr geben wird. In den USA ist es sogar schwer geworden, klassische Hypotheken für gewöhnliche Immobilienprojekte zu erhalten.
Wo die Panik am größten ist
Es gibt zwei Typen von Produkten im Kreditmarkt, auf die sich die Spekulation in den letzten Jahren konzentriert hat - und wo die Panik jetzt am größten ist. Ich nehme an, dass die IKB auf diesen Feldern tätig war.
Zum einen handelt es sich um Credit Default Swaps (CDS). Mit einem CDS garantiert der Verkäufer dem Käufer, dafür geradezustehen, wenn eine Kuponzahlung auf ein Wertpapier nicht erfolgt. Für diese Versicherung zahlt der Käufer dem Verkäufer jedes Quartal eine Prämie. Der Verkauf von CDS war für viele ein lukratives Geschäft, das bei vermeintlich geringem Risiko hohe Einnahmen garantierte. CDS-Verkäufer profitierten davon, dass im Boom die Insolvenzen deutlich zurückgingen. Wenn sie wieder auf normales Niveau steigen, werden die CDS-Verkäufer plötzlich merken, dass die guten Renditen einen Preis hatten - in Form eines hohen Risikos.