FTD.de » Meinung » Kolumnen » Wolfgang Münchau: Markt für Massenvernichtung

Merken   Drucken   07.08.2007, 18:58 Schriftgröße: AAA

Kolumne: Wolfgang Münchau: Markt für Massenvernichtung  

Die aktuelle Subprime-Krise vermittelt erst eine Ahnung davon, wie riskant der Handel an den Kreditmärkten ist. Ein Crash an den Aktienmärkten verläuft meist schnell. Dann ist der Spuk vorbei. In den Kreditmärkten verläuft ein Einbruch anders. von Wolfgang Münchau
Er ist langsamer, und er ist gewaltiger.
In den Kreditmärkten werden teils sehr komplizierte Wertpapiere gehandelt, deren Grundlage ein Pool an Krediten ist. Der berühmte US-Investor Warren Buffett verglich einige dieser Instrumente mit Massenvernichtungswaffen. Die Zockerei, die in diesen Märkten zuletzt zu beobachten war, ist manchmal unglaublich.
Jetzt sind jene Märkte dabei einzubrechen. Der Kollaps der IKB Deutsche Industriebank ist eines von mehreren Signalen, dass der Crash Stufe eins erreicht hat. Andere Zeichen sind die periodischen Panikattacken der Märkte in den letzten Wochen. Auch die Tatsache, dass mindestens zwei Hedge-Fonds des US-Brokers Bear Stearns in Schwierigkeiten sind, ist ein Signal.
Ein Crash des Kreditmarkts ist weit schlimmer als ein Aktienkollaps. Wenn die Aktien krachen, verliert man Vermögen. Wenn der Kreditmarkt kracht, geht eine Bank pleite, ein Hedge-Fonds, eine weitere Bank, eventuell sogar eine Zentralbank. Wenn der Kreditmarkt kracht, wird es für Unternehmer und Privatleute schwieriger, Kredite zu erhalten. Das Private-Equity- und Venture-Capital-Geschäft trocknet aus.
Damit sind auch die volkswirtschaftlichen Auswirkungen eines Kreditcrashs unangenehmer. Was genau bei einem Crash im Kreditmarkt passiert, weiß aber niemand. Denn dieser Markt ist noch nie zusammengebrochen.
Natürlich gab es auch in der Vergangenheit Kreditzyklen, aber ein Abschwung bedeutete meist nicht mehr als einen kurzfristigen Rückgang an Krediten. An diesem Punkt sind wir jetzt schon. Die Private-Equity-Branche hat gewarnt, dass es über mehrere Monate kein frisches Geld mehr geben wird. In den USA ist es sogar schwer geworden, klassische Hypotheken für gewöhnliche Immobilienprojekte zu erhalten.
Wo die Panik am größten ist
Es gibt zwei Typen von Produkten im Kreditmarkt, auf die sich die Spekulation in den letzten Jahren konzentriert hat - und wo die Panik jetzt am größten ist. Ich nehme an, dass die IKB auf diesen Feldern tätig war.
Zum einen handelt es sich um Credit Default Swaps (CDS). Mit einem CDS garantiert der Verkäufer dem Käufer, dafür geradezustehen, wenn eine Kuponzahlung auf ein Wertpapier nicht erfolgt. Für diese Versicherung zahlt der Käufer dem Verkäufer jedes Quartal eine Prämie. Der Verkauf von CDS war für viele ein lukratives Geschäft, das bei vermeintlich geringem Risiko hohe Einnahmen garantierte. CDS-Verkäufer profitierten davon, dass im Boom die Insolvenzen deutlich zurückgingen. Wenn sie wieder auf normales Niveau steigen, werden die CDS-Verkäufer plötzlich merken, dass die guten Renditen einen Preis hatten - in Form eines hohen Risikos.

Dieses ist ein kostenpflichtiger Inhalt der FTD. Bitte melden Sie sich an, um fortzufahren!

Abonnenten
Sie haben kostenlosen Zugang zum Weiterlesen oder Herunterladen. Bitte melden Sie ich mit Ihren Zugangsdaten über die Anmeldebox an.

Nicht-Abonnenten
Wenn Sie Interesse an einem FTD-Abo haben, informieren Sie sich über die verschiedenen Abo-Angebote unter www.ftd.de/abo-vergleich.

Alternativ können Sie für den Zugriff auf den gewünschten Inhalt ein Tagesticket erwerben. Für den Erwerb eines Tagestickets müssen Sie bei uns registriert sein (zur Registrierung). Nach Registrierung melden Sie sich einfach über die Anmeldebox an. Anschließend können Sie das Tagesticket erwerben.

Das Tagesticket bietet für 2,50 € einen 24-Stunden-Vollzugriff auf...

  • ...alle Premium-Artikel auf FTD.de
  • ...das aktuelle ePaper (Zeitung als PDF) und 1-Monats-Archiv der FTD
  • ...die Nachmittagsausgabe FTD 17 Uhr (PDF)
  • ...alle Sonderbeilagen der FTD (PDF)
  • ...alle älteren Ausgaben der FTD über einen Archiv-Zugang
  • ...alle archivierten Online-Artikel
Login

Statten Sie Ihre Mitarbeiter oder Key-Accounts mit dem Informationsangebot der FTD aus. Über Unternehmenslösungen für Abonnements oder Online-Zugänge informiert Sie gern unsere Abteilung Business Cooperations, corporate-solutions(at)ftd.de.

Bei Fragen rund ums Abo wenden Sie sich bitte an unsere Service-Zentrale unter kundenservice@ftd.de
Bei Fragen oder Problemen zu Ihrer Einzelverkaufsabrechnung wenden Sie sich bitte direkt an Click & Buy
  • Aus der FTD vom 08.08.2007
    © 2007 Financial Times Deutschland,
Jetzt bewerten
Bookmarken   Drucken   Senden   Leserbrief schreiben   Fehler melden  
  18.05. Pressestimmen zum Röttgen-Rauswurf "Angela Merkel eiskalt"
Pressestimmen zum Röttgen-Rauswurf: "Angela Merkel eiskalt"

Deutschlands Leitartikler zeigen sich verwundert über Merkels schroffe Art bei Röttgens Zwei-Minuten-Rausschmiss, erkennen dafür aber gute Gründe. Einer sieht die alte Merkel zurückkehren. mehr

 



  27.05. Deutsches Mädchen jahrelang als Sklavin gehalten
Vermischtes: Deutsches Mädchen jahrelang als Sklavin gehalten ...

In Bosnien ist ein deutsches Mädchen acht Jahre lang als Sklavin gehalten worden. mehr

Mehr zu: Bosnien, Deutsche

 
© 1999 - 2012 Financial Times Deutschland
Aktuelle Nachrichten über Wirtschaft, Politik, Finanzen und Börsen

Börsen- und Finanzmarktdaten:
Bereitstellung der Kurs- und Marktinformationen erfolgt durch die Interactive Data Managed Solutions AG. Es wird keine Haftung für die Richtigkeit der Angaben übernommen!

Über FTD.de | Impressum | Datenschutz | Disclaimer | Mediadaten | E-Mail an FTD | Sitemap | Hilfe | Archiv
Mit ICRA gekennzeichnet

VW | Siemens | Apple | Gold | MBA | Business English | IQ-Test | Gehaltsrechner | Festgeld-Vergleich | Erbschaftssteuer
G+J Glossar
Partner-Angebote