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Merken   Drucken   13.05.2008, 18:11 Schriftgröße: AAA

Kolumne: Wolfgang Münchau: McCain for President  

Barack Obama steht für ein neues protektionistisches Amerika. Daran kann Europa kein Interesse haben. Daher wäre ein US-Präsident McCain die bessere Wahl. von Wolfgang Münchau
Die amerikanische Politik hat sich in den letzten Jahrzehnten wesentlich gewandelt. Doch eine Sache hat sich nicht geändert: Wir Europäer und insbesondere wir Deutsche hoffen jedes Mal auf einen Demokraten. Wir träumen von einem Kennedy und sind dann enttäuscht, wenn wir einen Nixon, Reagan oder Bush bekommen. Wir dachten, Reagan sei ein Schauspieler und George W. Bush ein Wahnsinniger. Und wir feiern jedes Mal, wenn die Amerikaner einen Clinton, einen Gore oder einen Obama hervorbringen, weil deren Politik unserem nebulösen europäischen Gefühl am ehesten entspricht.
Die großen Trends der amerikanischen Politik haben wir meist unterschätzt, wie zum Beispiel die konservative Revolution, die die USA in den 70er-Jahren ergriff und die bis vor Kurzem andauerte. Und jetzt ignorieren wir den großen Trend unserer heutigen Zeit - den amerikanischen Protektionismus.
Die USA sind gerade dabei, ihre ökonomische Vorreiterrolle in der Welt zu verlieren. In den nächsten zehn Jahren ist es wahrscheinlich, dass sich die Rolle des Dollar als Weltwährungsanker deutlich abschwächen wird. Das Wachstum der US wird im Gegensatz zu den letzten Jahren unter seinem Potenzial bleiben, denn die Häuserpreise werden sich wohl erst in ein paar Jahren wieder stabilisieren. Es werden Jahre der Entbehrung sein. Dieses Umfeld ist ein Brutkasten für eine Politik gegen die Globalisierung und den freien Welthandel, von dem gerade wir Europäer so stark abhängen.
Die große absehbare Aufgabe des nächsten Präsidenten wird darin bestehen, den wirtschaftlichen Anpassungsprozess zu managen, ohne der Weltwirtschaft Schaden zuzufügen.

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