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Merken   Drucken   07.10.2008, 18:28 Schriftgröße: AAA

Kolumne: Wolfgang Münchau - Retter in Not  

Auf unsere überforderte Bundesregierung sollten wir uns in der Finanzkrise besser nicht verlassen. Eine europäische Lösung wäre billiger und gerechter. von Wolfgang Münchau
Banker und Notenbanker haben uns diese Krise beschert. Die Politiker sind jetzt gerade dabei, aus dieser Krise eine Katastrophe zu machen. Ich habe diese Krise zwar prognostiziert, habe im Gegensatz zu Nouriel Roubini von der Stern School of Business in New York und anderen Pessimisten das schlimmste Szenario bislang aber für unwahrscheinlich gehalten. Ich hatte immer gedacht, dass im schlimmsten annehmbaren Fall die Regierungen das Problem lösen können. Das stimmt zwar in der Theorie, doch die Ereignisse der letzten Woche haben uns ganz klar gezeigt, dass das nicht der Fall sein wird. Es ist wie in einem dieser weniger tollen Actionfilme, wo am Ende die Bombe tatsächlich explodiert.
Hier sind zwei Beispiele extrem gefährlicher politischer Entscheidungen: In Deutschland verspricht die Bundeskanzlerin eine Komplettabsicherung aller Einlagen, plant aber diesbezüglich keine Gesetzesänderung. Es ist ohnehin schon ein Wunder, dass es bei uns noch nicht zu einem Run auf die Banken gekommen ist. Mit derartigen Sperenzchen verunsichert man die Sparer umso mehr. Unser auf dem Prinzip der Gegenseitigkeit beruhendes System der Einlagensicherung ist eine Schönwetter-Konstruktion, die uns gegen die Pleite einer einzelnen Bank absichert, aber nicht gegen die gleichzeitige Pleite des gesamten Systems. Eine vollständige Absicherung aller Depots unabhängig von ihrer Größe ist ohnehin ökonomisch völliger Quatsch. Darüber hinaus kann sich die Bundesrepublik eine Versicherungsleistung von 800 bis 1200 Mrd. Euro, knapp der Hälfte des jährlichen Bruttoinlandsprodukts, überhaupt nicht leisten, ohne dass sich die Finanzierungskonditionen des Bundes dramatisch verschlechtern. Es herrscht offensichtlich schiere Panik in Berlin.

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