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Merken   Drucken   12.05.2009, 19:03 Schriftgröße: AAA

Kolumne: Wolfgang Münchau - Von wegen Hoffnung  

Es ist gefährlich, schon das Ende des Abschwungs auszurufen. Die Strukturkrise ist noch längst nicht vorbei. von Wolfgang Münchau
Die Partystimmung war plötzlich wieder da. Nach drei Jahren Finanz- und Wirtschaftskrise wurde plötzlich alles besser. In den Jahren 1994 und 1995 kam es in Japan zu einem Miniboom. Die Regierung nahm dann auch die Defizite wieder zurück, die Notenbank erhöhte die Zinsen, aber der Bankensektor blieb weitgehend ungeschoren. Und dann kam der Rückfall.
Wir sind jetzt ungefähr da, wo Japan im Jahre 1993 stand. Auf dem Tiefpunkt. Anders als die Japaner damals sollten wir deshalb etwas vorsichtiger sein und den Aufschwung nicht verfrüht feiern. Es ist sicherlich richtig, dass es eine neue Große Depression nicht geben wird. Wenn die die Wirtschaft weiter so rapide gefallen wäre wie von November bis Januar, dann hätte man Ende nächsten Jahres die Erde dichtmachen und die Weltbevölkerung auf einen anderen Planeten evakuieren können. Die neuesten Konjunkturdaten sagen uns, dass das Ende der Welt kurzfristig zumindest nicht ansteht, viel mehr allerdings auch nicht. Das Wachstum wird sich in den kommenden Quartalen auf niedrigem Niveau stabilisieren und dann 2010 wieder etwas ansteigen. Und dann?
Zwei Krisen in einer
Wir erleben gerade zwei einander überlappende und sich gegenseitig beeinflussende Krisen. Die eine ist ein übermäßig starker Konjunkturzyklus, dessen Amplitude durch Finanzboom und -krise sehr stark ausgefallen ist. Die zweite Krise ist eine Strukturkrise, die von globalen Ungleichgewichten ausgeht. Diese Krise, die den überschwänglichen amerikanischen Konsumenten zum Sparer hat werden lassen, wird nicht so schnell vorbei sein. Es dauert selbst unter günstigen Umständen einige Zeit, bis sich die Bilanzen privater Haushalte anpassen. Wenn der reale Wert des Wohneigentums um 40 bis 50 Prozent sinkt, wie es in den USA der Fall ist, dann dauert es sehr lange, bis die Vermögenseffekte wieder ausgeglichen sind. Während dieser Zeit werden die Amerikaner weniger importieren, mehr exportieren und mehr sparen. Wer sagt, es gäbe keine Exportindustrie in den angelsächsischen Ländern mehr, der irrt gewaltig. Sowohl Großbritannien als auch die USA sind auf dem besten Weg, zu Nettoexporteuren zu werden.
Deutschland und Japan waren die großen Verlierer der ersten dieser beiden Krisen. Als Länder mit hohem Exportanteil hat die weltweit synchrone Wirtschaftskrise sie besonders hart getroffen. Globale Zyklen werden durch die Gleichzeitigkeit verstärkt, im Guten wie im Schlechten. So wuchs Deutschland schließlich auch um drei Prozent auf der Höhe des Booms.
Wenn Deutschland und Japan die Verlierer der zyklischen Krise sind, wer sind dann die Verlierer der Strukturkrise? Die Antwort ist: ebenfalls Deutschland und Japan. In dem Maße wie die Angelsachsen ihre Importe zurücknehmen, müssen Exporteure anderswo ihre Ausfuhren reduzieren. Als der Privatsektor in den USA, Großbritannien und Spanien so stark schrumpfte, sprang kurzfristig der Staat ein und produzierte hohe Haushaltsdefizite. Das Leistungsbilanzdefizit - die Summe aus dem Defizit des öffentlichen und des privaten Sektors - sank dort deswegen kurzfristig nicht so schnell, wie es sonst der Fall gewesen wäre. Sowohl in den USA als auch in Großbritannien sind die staatlichen Defizite in diesem und im nächstem Jahr zweistellig. Diese Defizite müssen kleiner werden, ansonsten droht extreme Instabilität. Das Problem ist nur, dass sie schrumpfen werden, noch bevor der Privatsektor seinen Anpassungsprozess vollendet hat.
  • Aus der FTD vom 13.05.2009
    © 2009 Financial Times Deutschland,
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