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Merken   Drucken   31.07.2007, 18:01 Schriftgröße: AAA

Kolumne: Wolfgang Münchau: Vorbote eines Crashs  

Teil eins: Die Zockerei bei der WestLB ist typisch für die Spätphase eines Booms. von Wolfgang Münchau
In der Spätphase eines Booms lassen sich Investoren auf immer riskantere Anlagestrategien ein. Durch normale Käufe und Verkäufe können sie ihre überzogenen Erwartungen nicht mehr befriedigen. Eine der beliebtesten Strategien sind sogenannte Spread-Wetten zwischen verschiedenen Kategorien von Aktien und festverzinslichen Wertpapieren. Diese Wetten scheinen auf den ersten Blick risikolos, aber wenn man sie über längere Perioden ausübt, steigt das Risiko enorm.
Genau diesem Phänomen sind die übereifrigen Aktienhändler bei der WestLB zum Opfer gefallen. Ob und inwieweit hier gegen das Wertpapierhandelsgesetz verstoßen wurde, ist eine Frage für die Justiz. Man kann aber in jedem Fall sagen, dass Händler und Manager der WestLB überfordert waren und dass die Bank keine ausreichenden Kontrollmechanismen hatte.
Die WestLB-Händler wählten eine vermeintlich sichere Strategie, indem sie darauf wetteten, dass die Kurse von Vorzugs- und normalen Aktien langfristig konvergieren. Das ist im Ansatz plausibel, nur dürfen Investoren nie vergessen, dass Verluste meist kurzfristig auftreten. Der britische Ökonom John Maynard Keynes merkte einmal an, dass Märkte länger irrational sein können, als man als Investor liquide bleibt. Keynes musste es wissen: Er hat sich mehrmals im Leben kräftig verzockt.
Selbst die cleverste Handelsstrategie kann durch überraschende Ereignisse ausgehebelt werden. Die WestLB-Händler kauften Vorzugsaktien, die keine Stimmrechte haben, und tätigen Leerverkäufe von Stammaktien; das heißt, sie verkauften Aktien, die sie nicht besaßen. Dieses Spiel ging lange gut - bis Porsche seinen Anteil an VW-Stammaktien plötzlich erhöhte und so deren Kurs hochtrieb. Die WestLB-Händler mussten plötzlich teure Aktien zurückkaufen und erlitten allein bei den VW-Geschäften einen geschätzten Verlust von 100 Mio. Euro.
Derartige Wetten sind keine Spezialität der WestLB, sondern mittlerweile an den Finanzmärkten üblich. 2005 gab es einen ähnlichen Fall im Autosektor, als der US-Investor Kirk Kerkorian einen Anteil von knapp zehn Prozent an General Motors kaufte. Die Spread-Wetten bei GM waren etwas anderer Art - zwischen hoch spezialisierten Schuldtiteln und Aktien. Aber auch hier wurden die Annahmen der Spekulanten durch ein überraschendes Ereignis, Kerkorians Angebot, durchkreuzt.

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