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Merken   Drucken   16.07.2007, 19:21 Schriftgröße: AAA

Lucas Zeise: Drei Affen des Öls  

Der Gipfel der Ölförderung ist bald erreicht, die Reserven auf dem Globus sind endlich - eine Horrorvorstellung für die Weltwirtschaft. Statt diese Einsicht zu verdrängen, sollte die Politik handeln. von Lucas Zeise
Die Rohölvorräte des Globus sind nicht unendlich. Es kommt der Tag, von dem an das Fördervolumen nicht mehr steigt, sondern fällt. Diese Trivialität nennt man, weil Wissenschaft englisch formuliert sein muss, "Peak Theory". Überraschenderweise ist diese mit Sicherheit richtige Theorie heftig umstritten. Das mag daran liegen, dass die Peak-Theoretiker ziemlich gute Gründe dafür anführen, dass der Peak, der Gipfel der Ölförderung, schon in wenigen Jahren erreicht ist.
Für eine auf steigenden Ölverbrauch eingespielte Weltwirtschaft ist das eine Horrorvision: nach oben schnellende Ölpreise und Rezession. Weil das höchst unschön ist, hat die Internationale Energieagentur (IEA), die seit der ersten Ölkrise der 70er-Jahre das weltweite Energieangebot im Interesse der Industrieverbraucherländer prüfen und beobachten soll, das Wörtchen "Peak" in ihren Analysen bisher strikt vermieden. Stattdessen überraschte die regierungsnahe Institution die Welt mit einer Warnung. Sie extrapolierte die aktuellen Trends: kräftig steigende Nachfrage und mickrig steigende Förderung. 2012 übersteigt die Nachfrage dann eben das Angebot - und die Krise ist da.
Volumen der Reserven strittig
Auch das klingt hässlich, aber nicht so hässlich wie die Peak-Theorie. Diese Theorie ist vom Club of Rome diskreditiert worden. Diese Vereinigung kluger Leute popularisierte zu Beginn der 70er-Jahre die Erkenntnis von der Endlichkeit der Ressourcen. Der Ressource Erdöl wurde damals, vor 40 Jahren, eine Lebensdauer von 30 bis 50 Jahren zugemessen. In den 80ern stellte sich heraus - besser: schien sich herauszustellen -, dass die Reserven unterschätzt wurden. Angesichts ihrer damaligen Fehlprognose ist es verständlich, dass IEA und die sie tragenden Regierungen bei der Alarmierung der Öffentlichkeit betont behutsam vorgehen und es vermeiden, vom Peak zu reden.
Claus Hecking hat am Sonntag in der Printausgabe der Financial Times Deutschland einige Gründe dargelegt, die dafür sprechen, dass der Fördergipfel bald erreicht ist. Man sollte ja meinen, dem versammelten geologischen Sachverstand der Erdölindustrie müsse eine grobe Übersicht gelingen, was an erschlossenen Reserven unter der Erde liegt. In Wirklichkeit sind die Angaben in vielerlei Hinsicht strittig. Der Zuwachs an Rohölreserven der Opec-Staaten in den 80er-Jahren hatte zum Beispiel damit zu tun, dass die Organisation die erlaubte Förderquote eines Mitgliedslands nach dessen Reserven bemaß. Die Förderung aus den sehr großen Ölfeldern nimmt ab. Es wurden seit Jahrzehnten keine solchen extrem ergiebigen Felder mehr gefunden, geschweige denn in Betrieb genommen.

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