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An diesem verregneten Dienstagmorgen muss SPD-Spitzenkandidat Gerhard Schröder der Presse nun ein Konzept verkaufen, das die von ihm ungeliebte Parteilink maßgeblich beeinflusst hat: "Das ist ein Programm für den Zusammenhalt unserer Gesellschaft", sagt er trotzdem mit seinem Kanzlerlächeln und referiert ein kurzes Viertelstündchen.
Irgendwann übernimmt dann sein Parteichef, Franz Müntefering. Der dekliniert leider alles noch einmal von vorne durch, auch etwas länger und etwas breiter. Irgendwann geht's um das Renteneintrittsalter. Es wird steigen müssen. "Sie müssen noch alle länger arbeiten", sagt Müntefering den Journalisten. "Das ist aber nur gerecht. Das machen wir ja auch."
Schröder blickt auf einmal hoch und relativiert mit skeptischem Blick und abwägender Handbewegung den Karriereeifer seines Podiumsnachbarn - ein "mach's mal halblang" als Antwort auf Münteferings "länger arbeiten". Aha! Schröder will gar nicht mehr Kanzler sein, hat die Wahl, wenn sie denn am 18. September kommt, schon verloren gegeben!
Die Journalisten freuen sich. Und Schröder freut sich, dass sie sich freuen. Nur Müntefering ist vom Klassenkasper irritiert. Er unterbricht sein Rentenreferat und schaut Schröder mit drohenden Augenbrauen an. "Ich hab' nur geguckt und mich gefragt, ob die", sagt der Ertappte mit einem Fingerzeig aufs Publikum, "noch alle wirklich so lange arbeiten wollen."