FTD-Reporter berichten, was sich im Wahlkampf hinter den Kulissen, abseits inszenierter Auftritte, durchgeplanter Parteitage und hektischer Programmdiskussionen, abspielt.
Wahlkampf-Tagebuch: Seehofer an der Spitze der Bewegung
Der CSU-Sozialpolitiker Horst Seehofer baut schon für die Zeit nach der Wahl vor. Egal wer regiert, Seehofer hat schon mal angekündigt, notfalls auf der Straße gegen Sozialabbau zu demonstrieren. von Kai Beller, Berlin
Horst Seehofer geht gern eigene Wege
Eine hübsche Idee. Man stelle sich vor, Seehofer redet als bayerischer Vorsitzender des Sozialverbands VdK auf einer Großdemonstration gegen die Politik einer schwarz-gelben Bundesregierung. Seine Parteifreunde wären entzückt. Schließlich ist Seehofer nicht nur Verbandsvertreter sondern auch stellvertretender Vorsitzender der CSU und Bundestagsabgeordneter.
Von Parteidisziplin hält der Politiker nicht viel. Als VdK-Vorsitzender klingt er wie eine Kopie von Oskar Lafontaine und Gregor Gysi: "Wir wollen einen modernen Sozialstaat und nicht das, was die Neoliberalen wollen, alles auf Grundsicherungen zurückstufen und für alles andere ist man Bittsteller." Dem neoliberalen Zeitgeist wünscht er ein rasches Ende.
Im VdK hat er das Paradies gefunden: "Hier herrscht Kameradschaft, es regiert die Vernunft und es gibt kein Hauen und Stechen." Doch der Politiker Seehofer denkt gar nicht ans Aufhören. Mit allerbesten Aussichten kandidiert er im Wahlkreis Ingolstadt und auf Listenplatz fünf der CSU für ein neues Mandat.
Als Politiker versteht Seehofer eine Menge vom Hauen und Stechen. Vor allem liebt er die Kunst des Stichelns gegen die eigenen Leute. So vermisst Seehofer in Angela Merkels Wahlkampfteam einen Vertreter des Sozialflügels der Union. Auch mit dem Finanzexperten Paul Kirchhof legt sich Seehofer an. Ausgerechnet Seehofer, der vergeblich gegen die Gesundheitsprämie im Unionsprogramm gekämpft hat und dies auch weiter tun will, legt Kirchhof nahe, doch bitteschön die Steuerpläne des Wahlprogramms zu vertreten. Er verlangt also Disziplin.
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