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Merken   Drucken   03.09.2005, 19:04 Schriftgröße: AAA

Wahlkampf-Tagebuch: Stoibers Arm-Angriff  

Edmund Stoiber hat eine neue Masche bei minutenlangem Parteitagsbeifall entwickelt: Den Arm-Angriff von Peter Ehrlich, Nürnberg
Samstag 11.30 Uhr
Edmund Stoiber tut es wieder. Diesmal ist Wolfgang Schüssel dran. Der österreichische Bundeskanzler steht auf der Bühne des CSU-Parteitages in Nürnberg und wird kräftig bejubelt. Stoiber steht neben ihm und reißt dem deutlich kleineren Schüssel geradezu den Arm in die Höhe. Bei Angela Merkel hat der CSU-Vorsitzende und bayerische Ministerpräsident es am Vortag schon ebenso gehalten. Mal zerrte er an ihrem rechten, mal an ihrem linken Arm und jedes Mal verrutsche ihr leicht auf Taille geschnittenes Jackett beträchtlich.
Tatsächlich tun sich die Politiker schwer, die neuerdings üblichen überlangen Beifallsbekundungen optisch einwandfrei zu überstehen. Zehn Minuten Nach Merkels Rede beim CDU-Parteitag in Dortmund, zwölf Minuten nach Kanzler Gerhard Schröders Rede beim SPD-Parteitag in Berlin, 13 Minuten nach Merkels Rede am Freitag bei der CSU in Nürnberg - das ist nicht einfach.
Schröder macht meist zuerst das Victory-Zeichen und dann eine Art hochgereckter Faust. Merkel hebt den Arm, aber eher auf halbe Höhe, eher wie die englische Queen. Das wirkt manchmal etwas schüchtern, ist aber sicher angenehmer, als von Stoiber in die Höhe gezerrt zu werden. Aber das Problem, wie man zehn Minuten Beifall entgegennimmt, hat bisher keiner befriedigend gelöst. Irgendwann wird es langweilig.
Gern holt man sich weitere Personen auf die Bühne: Junge Unterstützer und die eigene Frau im Falle Stoibers. Schröder winkte in Berlin Franz Müntefering herbei und ging zwischendurch zu seiner Frau Doris, um ihr einen Strauß roter Nelken zu überreichen. Dennoch gibt es immer seltsame Pausen: Merkel bindet sich ihre Armbanduhr um, Stoiber wischt sich den Schweiß ab. Echte Schauspieler haben es besser: Die gehen zwischen jeder Verbeugung kurz von der Bühne.
Samstag, 13.00 Uhr
Am Dienstag, 6. September, wäre Franz-Josef Strauß 90 Jahre alt geworden. Der langjährige CSU-Chef und bayerische Ministerpräsident war eine der umstrittensten und prägenden Gestalten in der Bundesrepublik, er starb ein Jahr vor der Wende in der DDR nach einem beim Jagdausflug erlittenen Herzanfall. Alte Filmausschnitte erinnerten beim CSU-Parteitag an Strauß, ebenso CSU-Generalsekretär Markus Söder und Stoiber selbst. Auf den alten Bildern war auch ein junger Lockenkopf neben Strauß zu sehen. "Das war ich, damals hatte ich noch Locken", berichtet Stoiber.
Die Erinnerung an Strauß war aber wenig emotional. Die Zeit des Alpen-Wüterichs ist so weit weg wie Stoibers Locken. Damals waren CSU-Parteitage noch bierdampfende Veranstaltungen, Strauß redete selten unter zwei Stunden und in langen Sätzen, deren Anfang und Ende man nur schwer erkennen konnte. Endgültig vorbei ist die Strauß-Ära, seit in diesem Jahr seine Tochter Monika Hohlmeier als bayerische Kultusministerin zurücktreten musste, sie saß als einfache Landtagsabgeordnete im Publikum.
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  • FTD.de, 03.09.2005
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