Kennen Sie eigentlich "Psycho" von den Sonics? Oder "Have Love Will Travel"? Das sind absolute Hammersongs aus den frühen 60er-Jahren, die Rockconnaisseure unterschiedlichster Generationen regelmäßig abdrehen lassen. Sonics-Gitarrist Larry Parypa gilt als Pionier des Garagensounds. Mit einem Eispickel schlug er früher Löcher in seine Lautsprecher. Er wollte einen Sound, der "wie ein Zugunglück klingt". Das schaffen die Jungs auch heute noch locker. Am Dienstag spielen sie im Berliner C-Club.
Apropos Jungs: Die Herrschaften sind um die 70! Wenn Sie jedoch die Augen schließen, klingt die Truppe aus Tacoma im US-Bundesstaat Washington wie ein Haufen durchgeknallter Teenager. Die Sonics gelten als Urväter jedweden musikalischen Krachs. Obwohl 1959 gegründet und 1968 mit nur mäßigem Bekanntheitsgrad aufgelöst, wurden sie in den 70ern als wichtigste Ahnherren des Punkrock gefeiert. Heutzutage berufen sich Bands von den Cramps über die Black Keys bis zu den Hives auf die geriatrische Krawalltruppe.
Allein schon die Texte der Sonics klingen wie ein Gruß aus der Hölle: "Psycho", "Strychnine", "Don't Believe In Christmas", "The Witch" oder "Village Idiot" betitelten sie ihre derb hingerotzten Gassenhauer - die es in den prüden Früh-Sixties nie in offizielle Hitparaden schafften. Der übersteuerte Garagensound der Band war für das Formatradio zu schrill. Trotzdem wuchs die Schar ihrer Fans stetig.
Wer bei Youtube reinschaut, sieht, dass es jede Menge TV-Auftritte gab (mein Tipp: "Psycho a Go-Go". Da stört es auch nicht, dass die Band zwar spielt - aber nicht gezeigt wird). Nach bahnbrechenden Singles und zwei Alben, die sie bei dem kleinen Vorstadtlabel Etiquette Records herausbrachten, wechselten die Musiker 1967 zum Jerden-Konzern. Damit war auch das Schicksal der Band besiegelt: Die Plattenfirma brummte ihnen ein knallhartes Kommerzkonzept auf. LP Nummer drei wurde deshalb ein kraftloser Rohrkrepierer. Sänger und Keyboarder Gerry Roslie stieg aus. Mit den Byrds, den Kinks und den Beach Boys ging die Band noch auf Tour. 1968 war dann alles vorbei.
Ihren Monsterhit "Have Love Will Travel" von Richard Berry - den auch viele andere Garagenbands coverten - verhackstückte Coca-Cola 2004 zu einem durch Koffeinzufuhr aus allen Nähten platzenden Werbeclip. Anscheinend davon wachgerüttelt, waren auch die Sonics 2007 plötzlich wieder da. In London und New York spielten sie zwei umjubelte Gigs.
Jetzt erschien sogar eine neue EP der musizierenden Radaubrüder - die Songs sind ähnlich derb zusammengekloppt wie ihre Stücke aus den frühen 60ern. Und Sie werden es kaum glauben: Die Herrschaften klingen laut, dreckig - und so kraftvoll, als wollten sie sämtliche Seniorenheime dieser Welt kaputtrocken.
Also - da gibt es keine Ausreden: Am 27. müssen Sie im C-Club in Berlin auf der Matte stehen. Wir sehen uns.
| The Sonics: 27.11. C-Club, Columbiadamm 9-11, Berlin |