Unser Autor Willy Theobald stellt jede Woche seine Beobachtungen zum Kulturbetrieb vor.
Obacht und aufgemerkt, es folgt eine Servicedurchsage! Heute erscheint "Take the Crown", das erste Soloalbum von Robbie Williams seit Menschengedenken. Tatsächlich liegt das letzte Williams-Werk erst drei Jahre zurück, aber da er zuletzt eher krudes Gedudel ablieferte, hat man das natürlich längst wieder vergessen.
"Take the Crown" ist nun leider auch nicht so gut, wie man das gern hätte, weil man den unverwüstlichen Williams mit seinem schiefen Schimpansengrinsen ja ganz gern mag. Viele Rummelplatzrhythmen erklingen, und "Oh-eh-oh"-Chöre, wie man sie sonst nur von schrecklichen Fußball-WM-Hymnen kennt (performt in Begleitung hosenloser Maskottchen). Und das schönste Lied, "Losers", ist dann auch nur ein Cover der Hemdsärmelband The Bell Brigade.
Allerdings, und hier folgt nun der Serviceteil, ist der Mensch Robbie ja ohnehin schon seit geraumer Zeit viel interessanter als der Musiker Williams. Darum hier einige auf Partygeschwätzlänge zurechtgestutzte Basisinformationen dazu, was man aus "Take the Crown" über Robbies aktuelle Befindlichkeiten heraushören kann.
Erstens: Robbie fürchtet sich unterbewusst vor erneuter Vermopsung. "In mir steckt ein dicker Mann, der heraus möchte", hat er mal gesagt, Pausen zwischen seinen Platten und Tourneen nutzt er gern zum Chipsverzehr. Wie ein Psychoanalytiker wohl den Text zu "Candy", der ersten Single aus "Take the Crown", deuten würde? Ein Mädchen, das denkt, es bestünde gänzlich aus Süßigkeiten? Interessant. Wie stehen Sie eigentlich zu Schmalzkringeln, Herr Williams?
Zweitens: Robbie hat nicht mehr Barlow-Beef, dafür aber Gary-Gram. Die ewige Rivalität zu seinem Take-That-Kollegen ließ damals die beste Boyband der Welt zerbrechen. Robbie erklärte später, er habe stets das Gefühl gehabt, es dem Perfektionisten Gary Barlow nie recht machen zu können. Zur Take-That-Reunion 2010 haben sich die beiden versöhnt (und den Bromance-Song "Shame" aufgenommen), auf Robbies neuem Album hat Gary an zwei Liedern mitgeschrieben. In einem, "Different", schwört Robbie inbrünstig, sich bessern zu wollen, sich endlich zum Guten zu verändern. Ach, das alte Leiden.
Drittens: Robbie denkt, er wäre Bayern München (fälschlicherweise). Andere Leute halten sich halbwegs bescheiden lediglich für Napoleon, Robbie dagegen gleich für einen ganzen Fußballverein. "Ich bin wie der FC Bayern München. Die haben so oft die Meisterschaft gewonnen, dass sie eigentlich aufhören könnten", sagte er der "Zeit". "Trotzdem greifen sie immer wieder an." So wie er selbst, siehe Albumtitel, sich auf den Popthron zurückkämpfen will. Im letzten Lied der Platte, dem Cover "Losers", zeigt er sich allerdings plötzlich softig und ambitionslos: "There will always be someone better than you/Even if you're the best/So let's stop the competition now/Or we will both be losers", heißt es da. Sätze, die Uli Hoeneß nicht mal unter der Dusche singen würde.
| "Take the Crown" von Robbie Williams erscheint am 2. November bei Island/Universal. |